KUNSTRADIO


"Zeit-Radio-Zeit"

Teil 1: "Der Künstler liefert sich aus"


Teil 2: "Der Künstler liefert"
Eine Dokumentation von Ernst M. Binder und Josef Klammer
Eine Einführung von Helga Konrad

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Dauer: 42'11"

A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"
Im Jahre 1989 stand das sehr vielseitige interdisziplinäre Programm der Steirischen Kulturinitiative, die sich auch mit der Realisation im öffentlichen Raum der elektronischen Medien beschäftigt, unter dem Arbeitstitel "Zeit". Zu diesem Jahresprogramm gehörte 1989 erstmals ein Radiokunst-Projekt. 10 Monate lang wurden jeden letzten Mittwoch im Monat im Landesstudio Steiermark 45 Mintuen lang Radiokunst-Produktionen von Literaten, Bildenden Künstlern und Musikern gesendet.

Unter dem Titel "Zeit Radio Zeit"gestalteten Ernst M. Binder und Josef Klammer eine Radio-Dokumentation.

Unter dem Motto "Der Künstler liefert sich aus" wurden dabei im ersten Teil alle jenen Werke zusammengefaßt, die von den Künstlern live realisiert wurden bzw. die Mitarbeit der Hörer erforderten.

Folgende Beiträge wurden im 1. Teil der Radiodokumentation gesendet:

"5 Minuten vor der Zeit", ein Live-Projekt von Seppo Gründler und dem Zeithistoriker Karl Stocker
Stocker meinte zu diesem Projekt:"Für mich war es erstens interessant historische Erkenntnisse und wissenschaftliche Forschungserbebinsse nicht nur in der, in unserer Disziplin üblichen Papierform - in Form eines Buches oder dergleichen - zu präsentieren. Und zweitens glaube ich, daß auch die Auseinandersetzung mit dieser musikalischen Ebene insgesamt neue Perspektiven eröffnet. Darüberhinaus hat sich bei dieser Zusammenarbeit für mich persönlich gezeigt, daß Wissenschaft nicht nur ein todernster Prozeß sein muß, sondern Wissenschaft kann auch lustig sein."
Und Seppo Gründler sagte zu dem Stück: "Mich hat - so wie auch am Medium Radio - vor allem der improvisatorische Umgang mit der ganze Sache interessiert und die textlichen Materalien als auch die Musik in einen größeren Kontext zu stellen und damit zu experimentieren. Unsere Reaktionen richteten sich nach den Statemenst der Hörer." Bei dieser Telefonkontaktsendung hatten die Hörer die Möglichkeit im Studio anzurufen und zu 3 Fragenkomplexen ihre Meinung und Gedanken mitzuteilen. Diese Fragenkomplexe waren: Erstens: Was halten sie von Pünktlichkeit? Zweitens: Ist Zeit Geld? Und Drittens: Sind Tachinierer auch Menschen?
"Dazwischenfunken" von Joachim Baur
Joachim Baur in einer Einleitung zu seinem Stück: "Als ausgebildeter Gold- und Silberschmied sage ich: Meine Kollegen haben vor hunderten Jahren für die Anfertigung von Gewandfibeln und Monstranzen Gold und Silber verwendet. Heute werden die gleichen Edelmetalle für das Funktionieren von Radiosendestationen, Radiogeräten usw. gebraucht. So wurden und werden Edelmetalle immer in ihrer Eigenschaft als Kontakt- und Verbindungsmaterial verwendet. In Form von Satelliten und Raumschiffen gebrauchen wir das Edle zur Erforschung und Entdeckung des Wertvollen. Nachrichtensatelliten die im Raum zwischen Erde und Weltraum, im Wechselspiel von Erdanziehungs- und Fliehkraft hängen, erinnern noch an die Gewandfibeln meiner Kollegen, die einst beide Hälften des Körpergewandes zusammenhielten. Die antennendrahtig, zentrisch gebauten Raumschiffe und Stationen erinnern noch an die ausstrahlende Form von Monstranzen die einst ähnliche Sendeaufgaben hatten. Früher wie heute liegen Gold und Silber dazwischen." (gesendet am 26. April 1989 um 22.15 Uhr auf Ö-Regional)
"Ich hör etwas, was du nicht hörst - Radio in der Kunst" von Gerfried Stocker
Jeder größere metallische Gegenstand besizt die Eigenschaft die unzähligen, permanent ausgestrahlten Radiowellen aller Art wie eine Antenne aufzufangen. Mit einem Radiostetoskop, einer aus nur 2 Bauteilen bestehenden Primitivempfangseinrichtung, hat Gerfried Stocker 3 Skulpturen in Graz abgehört. Und zwar zum einen die Erzherzog Johann Statue am Grazer Hauptplatz, die Eisenplastik von Grehard Moswitzer vor dem Grazer Hauptbahnhof und die Brunnenplastik im Grazer Stadtpark. Die Zuhörer waren aufgefordert, zu enstscheiden welche der 3 Skulpturen am radiogensten waren. (gesendet am 28. Juni 1989 um 22.15 Uhr auf Ö-Regiona)/FONT>
"Rückkoppelung", eine Live-Sendung von Meinrad Hopfgartner
In den Mittelpunkt dieser Sendung stellte Hopfgartner den Toningenieur des ORF Landesstudios Steiermark. Gleichsam als Komponist sollte dieser aus 6 bei ihm am Mischpult zusammenlaufenden Geschehnissen ein Produkt formen. Dabei wurde ihm aber die Entscheidungsfreiheit welcher Kanal bzw. welche Kanäle für den Radiohörer nun gerade hörbar wurden durch den vorgeschriebenen Gebrauch eines Würfels entzogen. Die Zufälligkeit des jeweiligen Einzelwurfs bestimmte die Folge der hörbaren Geschehnisse. Ausreichende Gestaltungsfreiheit bestand für den Toningenieur aber wiederum darin, selbst abschätzen zu können, wie lange und wie laut etwas zu hören sein sollte - ja sogar ob, je nach Augenzahl des Würfels, alle Kanäle gleichzeitig zu hören waren. Die 6, entsprechend der Anzahl der Würfelseiten, zur Verfügung stehenden Kanäle beinhalteten Geschehnisse die von Gegensatzpaaren wie Vergangenheit/Gegenwart, objektiv/subjektiv, Theorie/Praxis, Freiheit/Strenge, live/vom Band und anderen geprägt waren.
  1. Erste Stimme: Ein Texte für Kinder im Vorschulalter durch Harmoneizer und Hall verfremdet und nur fallweise, quasi aus der Tiefe, in das Bewußtsein aufsteigend und in den Bereich der Verständlichkeit vordringend.
  2. Zweite Stimme: Wissenschaftliche Texte druch Harmoneizer und Hall verfremdet und nur fallweise, quasi von oben, in das Bewußtsein herabsteigend und in den Bereich der Verständlichkeit vordringend.
  3. "Bolero" von Maurice Ravel. Ein quasi ästhetisiertes Metrum.
  4. Freie Improvisationen am Klavier gespielt von Meinrad Hopfgartner live aus dem Studio des Landesstudios ohne den Fortlauf der Sendung verfolgen zu können.
  5. Stille.
  6. Reaktionen auf das Gehörte von geladenen Gästen aus einem weiteren Studio des Landesstudios.

    (gesendet am 26. Juli 1989 um 22.15 Uhr auf Ö-Regional)

"Ein radiphones Synchronizitäts-Experiment mit Telefonkontakt" von Bernhard LangSynchronizität bedeutet allgemein Gleichzeitigkeit. Im besonderen Gleichzeitigkeit von Ereiginssen der psychischen Welt mit Ereignissen der physischen Welt. In der Arbeit von Bernhard Lang wurde der Begriff der Synchronizität in dieser zweiten Bedeutung verwendet. Nun zum Experiment. Es sollten Koinsidenzen hervorgerufen werden und zwar dadurch, daß der Zuhörer über das Radio Synchronizitäts-Signale zugestrahlt bekam. Und dies auf folgenden Ebenen: Erstens eine Zahl, zweitens einen Text, drittens einen oder mehrere Klänge die sogenannten Koinsidenzwellen. Diese Klänge sollten das Unterbewußtsein aktivieren und zu einem Synchronizitätserlebnis führen. Der Text und die Zahl bestimmten die Art dieses Erlebnisses und lenkten in eine bestimmte Richtung.
Die Gebrauchsanweisung für die Zuhörer bei diesem Experiment war:
  1. Rufen sie das Landesstudio an und teilen sie mit, welches von den 23 Synchronizitäts-Signalen zuerst ausgestrahlt werden soll. Nennen sie dazu eine Zahl zwischen 1 und 23.
  2. Hören sie entspannt und konzentriert auf das Signal. Lassen sie die Koinsidenzwellen wirken und achten sie auf den Text.
  3. Nach dem Signal beobachten sie aufmerksam ihre unmittelbare Umgebung. Versuchen sie eine Koinsidenz festzustellen: a) Erscheint die genannte Zahl in ihrer Umgebung? b) Bezieht sich der Text auf eine tatsächlich auftretende Situation? c) Können sie eine bedeutungsvolle Beziehung zwischen den Klängen und ihrer Umgebung feststellen? Wesentlich ist in allen Fällen daß ihnen der Zusammenhang als ein für sie bedeutungsvoller erscheint.
  4. Rufen sie das Landesstudio an und berichten sie über die von ihnen entdeckten Koinsidenzen.
  5. In ihrem Bericht ist die Entscheidung über die Auswahl des nächsten Synchronizitäts-Siganls enthalten. Sie könne aber auch eine weitere Zahl zwischen 1 und 23 nennen, die sie bevorzugen und die dann den weiteren Verlauf des Experiments bestimmt.

    (gesendet am 30. August 1989 um 22.15 Uhr auf Ö-Regional)



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