SONNTAG, 4. November 2001, 23:00. - 24:00, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST




"box 30/70"


(box 30 / 70 (links) in Wien - (rechts) in Rotterdam)

Die Radioversion der Installation von Bruce Odland und Sam Auinger.



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Dauer: 51'28"

english



A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"

"box 30/70" ist der Name des neuesten Projektes von Sam Auinger und Bruce Odland, eine mobile Klanginstallation, bestehend aus einem zur Hörstation umfunktionierten Container und den von den beiden Künstler speziell für Installationen im öffentlichen Raum entwickelten Betonlautsprecher. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wird "box 30/70" in verschiedenen Städten aufgestellt. Vom 26. Oktober bis 25. November 2001 ist die Klanginstallation im Rahmen des Festivals Wien Modern, gegenüber dem Wiener Konzerthaus, zu hören und zu erleben.

Seit 1987 betreiben die beiden Komponisten und Radiokünstler sehr spezifische Klangrecherchen in urbanen Räumen. Für "box 30/70" haben Sam Auinger und Bruce Odland ihr Konzept nun weiters verfeinert. Klänge und Geräusche aus dem Außenraum werden mit Hilfe eines selbstgebauten "mikrophonierten Resonanzohres" (einem viereinhalb Meter langen Rohr, welches bestimmte Töne und deren Obertonreihen verstärkt) eingefangen und transformiert. Die transformierten Stadtklänge werden zum einen mit Hilfe eines in der Nähe des Containers positionierten Betonlautsprecher (ein von den beiden Künstler entwickelter 50 mal 50 mal 50 Zentimeter großer, 250 Kilogramm schwerer Betonwürfel, der als Lautsprecher fungiert) in Echtzeit wieder zurück in den öffentlichen Raum ausgestrahlt. Zum anderen werden die transformierten Stadtklänge in das Innere der Hörstation übertragen, wo sie sich in einem zeitlichen Verhältnis von 30 zu 70 mit ausgewählten Stücken aus dem Alphabet of Sounds abwechseln. Seit nun bereits 13 Jahren sammeln und archivieren Odland und Auinger spezielle Stadt- und Naturklänge, auf die sie im Zuge ihrer gemeinsamen Arbeit stoßen.

Der uns umgebende Stadtlärm steigt ständig an, um sich entsprechend abzuheben, müssen beispielsweise die Sirenen von Einsatzwägen heute um ein vielfaches lauter heulen, als sie dies noch vor ein paar Jahrzehnten getan haben. Bruce Odland und Sam Auinger möchten mit ihrer Installation "box 30/70" auf Umstände wie diese aufmerksam machen und auch einladen genauer hinzuhören und unsere Umwelt mit all ihren unterschiedlichen Klängen als ein rießengroßes Orchester zu begreifen. Gibt es irgendwelche Geräusche im öffentlichen Raum die wir gerne hören? Oder beschränkt sich unser bewusstes Hinhören auf jenen Tag im Frühling, an dem uns zum ersten Mal auffällt, das wieder die Vögel zwitschern? Es geht auch darum, so Sam Auinger, eine breitere Diskussion über die Beziehung zwischen Architektur und städtischen Soundscapes ins Rollen zu bringen. Denn wenn es darum geht, das Auge zu befriedigen, dann werden in der Regel keine Kosten und Mühen gescheut. Über die akustischen Gegebenheiten, die ein neues Bauwerk mit sich bringt, würde jedoch kaum reflektiert. "Die Innenhalle des Merzedes-Gebäude am Potsdamer Platz zum Beispiel könnte man am ehesten mit einer gotischen Kathedrale vergleichen, nur dass ich in einem Autoverkaufscenter einfach kein Verhalten habe wie in einer gotischen Kathedrale. Also ist dieser 11, 12 Sekunden Hall da drinnen, der sich ins Unendliche zieht, einfach furchtbar."

Im Auftrag des Kunstradios haben Sam Auinger und Bruce Odland ein Radiostück zu ihrer Klanginstallation "box 30/70" verfasst. Das Radiostück verfolgt zum einen in chronologischer Reihenfolge die einzelnen Stationen des Containers (bislang: Berlin (2 mal), Witten, Rotterdam, Düsseldorf, Dresden und nun Wien), zum anderen gibt es Stücke aus dem Alphabet of Sounds zu hören, etwa der Wind, wie er durch die Rocky Mountains bläst, aufgenommen im windgeschützten Bereich einer Höhle.

Sam Auinger im Interview:  
zu den unterschiedlichen akustischen Ausgangsbedingungen in den verschiedenen Städten
zu den Publikumsreaktionen
zu Alphabet of Sounds
über die zentralen Fragestellungen rund um die Klanginstallation



"box 30/70" is the name of the latest project by Sam Auinger and Bruce Odland - a mobile sound installation, consisting of a container functioning as a listening-station and a speaker made out of concrete, which was developed by the artists especially for installations in the public space. Over a duration of two years "box 30/70" will be presented in different cities. From the 26th of October to the 25th of November 2001 the sound installation can be visited in the framework of the Festival Wien Modern in front of the Wiener Konzerthaus.

Since 1987 the two composers and radio artists are doing very specific sound-investigations in urban spaces. For "box 30/70" Sam Auinger and Bruce Odland have improved their concept even more. Sound from the public space are captured and transformed with a self-built "microphonic resonance-ear" (a four and a half meter long pipe, which is increasing certain tones and their overtones. The transformed city-sounds are broadcasted in realtime back in the public space, over a concrete-speaker which is positioned nearby the container (a cube made out of concrete, 50 by 50 by 50 centimeters, with a weight of 250 kilograms - acting as a loudspeaker). On the other hand the transformed city-sounds are broadcasted inside the listening station, where they alternate with pieces from the Alphabet of Sounds in temporal ratio of 30 to 70. Since 13 years, Odland and Auinger are collecting and archiving specific city and natural sounds, which they find during their common work.

The city-noise which is surrounding us is constantly increasing. For example, in order for police sirens to stand out, they have to be many times louder today then they have been only a few decades ago. With their installation "box 30/70" Sam Auinger and Bruce Odland would like to draw ones attention on circumstances like that and also invite the visitor to listen more closely, to perceive the different sounds as a giant orchestra. Are there any sounds in the public space which we like to listen to? Or are we only listening with awareness on the one day in spring when we first realize that the birds are singing again. Also, according to Sam Auinger, they would like to start off a larger discussion between urban soundscapes and architecture. Everything is done to satisfy our eyes, but hardly anybody reflects about the acoustic circumstances which emerge when a new building is built. "For example the closest one could compare the inner hall of a Mercedes-building at the Potsdamer Platz with is a Gothic cathedral, but the people in a center for selling cars are not behaving like those in a Gothic cathedral. The 11, 12 seconds off hall in there, which fade into the infinite, are terrible."

By commission of Kunstradio, Sam Auinger and Bruce Odland have made a radio version of their sound installation "box 30/70". The radio piece follows in a chronological order the different stations of the container (so far: Berlin (twice), Witten, Rotterdam, Dusseldorf, Dresden and now Vienna), on the other hand you can hear pieces from the Alphabet of Sounds, for example the wind, how it blows through the Rocky Mountains, recorded in a cave.



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