25. April 1996


22:20 - FAMILIE AUER

anschließend:
KUNSTRADIO

"Sprech-Radio"

eine KUNSTRADIO-Live-Performance

von
Oliver Augst (Stimme/Komposition)
in Zusammenarbeit mit Stefan Beck (Computer/Medien)

für ORF-KUNSTRADIO



PLAY
- 34'13"

Wie schon bei ihrer letzten Live-Performance vor rund zwei Jahren in der Wiener KUNSTHALLE stellt sich auch diesmal das deutsche Duo Augst&Beck die Aufgabe, das gesamte, in der Performance verwendete Klangmaterial an Ort und Stelle (zwei "Schreibtische") zu lagern, zu verwalten, live abzumischen, zu bearbeiten und als Stereosignale dem Studiosystem komplett zur Aussendung zu übermitteln. Der Einsatz von Sprach-und Textmaterial wird dabei ebenso ungewöhnlich sein, wie die technischen Methoden, die zur Anwendung gelangen (zur Bearbeitung von Stimm-Klängen werden verschiedene Mikrophon-Typen benutzt, bestimmte Effekte, wie etwa Übersteuerung, Verzerrung, Rückkopplungen, Schleifen, u.a. sind im Rahmen dieser Performance nicht als technische Fehlleistungen zu interpretieren, sondern als Teil des methodisch-akustischen Instrumentariums).

Die Grundidee für die Radio-Live-Performance Sprech-Radio ist auf den Diskurs zweier Künstler verschiedener Sparten (Komposition, Medien) im Zeitraum eines Jahres (seit Jänner 1995) zurückzuführen. Bei diesen regelmäßig stattfindenden Treffen zwischen den beiden ging es inhaltlich um die Frage nach der Möglichkeit der Zusammenarbeit, "Firmengründung" und "Radio-Arbeit". Dieser Gedankenaustausch wurde schließlich in Form von Performances "on stage" und im Radio fortgesetzt. Miteinbezogen wurden Tonbandaufzeichnungen der Gespräche, der Briefwechsel der Künstler, sowie Konzepte und Ideen, die im Laufe der Zeit entwickelt wurden.

Sprech-Radio ist - so die Autoren - die "Fortsetzung dieses Diskurses", in dem die Beschäftigung mit dem Begriff "Radio-Machen" einen wichtigen Platz einnimmt. Gefragt wird dabei nach der Daseinsberechtigung der Audiokunst, nach der Funktion der Unterhaltung als "Befriedigungsmaschinerie", nach der Bestätigung der Publikumserwartung und somit nach den Mechanismen, nach denen die Erfüllung der selbstgestellten Ansprüche der kommerziellen "Amüsierbude" (Bert Brecht) funktioniert. Und nicht zuletzt geht es Augst&Beck und die Rolle des Publikums: Wie lange noch werden sie "Excremental Television" (A. und M. Kroker) auf sich einwirken lassen, bis sie sich herausgefordert fühlen, .. "ihren geistigen Apparat selbst in Bewegung zu setzen, Verknüpfungen herzustellen, selbst zu urteilen, zu interpretieren und letztendlich auch selbst zu fragen, zu handeln und aufzubegehren" (O.Augst). Gefragt wird aber auch nach den (Über)-Lebens-und Arbeitsbedingungen der Künstler selbst, wobei diese Auseinandersetzung mit-und gegeneinander abläuft - "als eine mögliche Antwort auf selbstgestellte Fragen", erläutern die beiden Autoren.

Zur Frage nach dem künstlerischen Überleben haben Augst und Beck Gespräche und Schriften von verschiedenen Literaten, Philosophen, Bildenden Künstlern und Komponisten (Hölderlin, M. Heidegger, B.Brecht, N. Goodman, Josef Beuys, J.C. Ammann, F. Nietzsche, Eric Satie, Morton Feldman u.a.) gesammelt. Diese Texte werden für die Performance fragmentiert und als Grundmaterial für die Live-Komposition der gesamten zweistimmigen Radioarbeit innerhalb eines zeitlichen Rastes strukturiert und rhythmisch-proportional angeordnet.

Zusätzlich werden philosophische, psychoanalytische, politische und medientheoretische Texte, aber auch Ausschnitte von Warhol-Tagebüchern verwendet.

Texte und Sprache werden nicht nur als musikalische Elemente eingesetzt, sondern auch als plakative Medien der Agitation (im Sinne von "Aufklärung") und als "sinnlich" und lautsprachlich auszulotendes öffentliches akustisches Material. Augst&Beck wollen versuchen, .."Worte und Sätze von innen heraus" zu beleuchten. Sie wollen, so bringen sie es mit den Worten Edith Clevers zum Ausdruck, "die Schönheit der Sprache zulassen, zu einem eigenen Gesang finden ..".



1996 Calendar 1