Sonntag, 8. Dezember 2019, 23:03 - 0:00, Ö1

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RADIOKUNST - KUNSTRADIO




Liquid Radio curated 1 by Radio Tsonami (Fernando Godoy)

- Pool von Sol Rezza
- Yaku rimam: El agua habla von Alejandro Cornejo



Der chilenische Künstler Fernando Godoy hat die curated by Radiokunst Serie „Liquid Radio“ gemeinsam mit dem kollaborativen experimentellen Online Radio Tsonami, das seit Mitte 2016 täglich 24 Stunden Klanglandschaften und Radiokunst sendet, entwickelt. Es wurden fünf Künstler und Künstlerinnen aus Argentinien, Chile und Peru eingeladen neue Radioarbeiten zu entwickeln. Diese wurden auch während der 13. Ausgabe des Tsonami Soundart Festivals in Valparaiso, Chile, vorgestellt.

Das Tsonami Festival findet von 2. – 7.12. 2020 statt, allerdings anders als geplant. Auf Grund der seit Mitte Oktober stattfindenden sozialen Umbrüche, die das neoliberale Chile grundsätzlich verändern, so die Festivalmacher, wurde das Programm völlig umgestaltet. Für die aktuelle Ausgabe des Tsonami Festivals wurde die Rolle der Soundkunst in Südamerika in Krisenzeiten hinterfragt. Das Tsonami Festival Team hat sich dazu entschlossen auf Festlichkeit und Spektakel vollständig zu verzichten, dafür wurde es zu einer Plattform für Begegnung und Reflexion.

„Liquid Radio“ beschäftigt sich mit elektromagnetischen Wellen und mit Wasser. Beides sind wichtige Kräfte, die unseren Planeten beeinflussen und umgeben. Sowohl die elektromagnetischen als auch die Strömungen des Wassers enthalten eine oberflächliche und eine unsichtbare Dimension. In sämtlichen Bereichen des Lebens und in allen physikalischen Stoffen spielen Wasser, aber auch elektromagnetische Wellen eine wichtige Rolle.

Den Auftakt zur Ö1 Kunstradio Serie bilden die Stücke „Pool“ der argentinischen Sound-Designerin Sol Rezza, die von der formenden und fortdauernden Kraft des Elements Wasser ausgeht und “Yaku rimam: El agua habla“ des peruanischen Journalisten und Klangforschers Alejandro Cornejo Montibeller, der Tonaufnahmen in den peruanischen Anden gemacht hat und damit versucht die vielfältigen Zustände und Strukturen des Wassers, seine Formen und Wege nachzuzeichnen.


Pool von Sol Rezza



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In ihrem Radiostück Pool geht Sol Rezza von der transformativen dauerhaften Kraft des Elements Wasser aus. Auf unserem Planeten ist jedes Leben von einem ausbalanzierten Wasserkreislauf abhängig, dieser wird durch den Klimawandel radikal beeinflusst.

Ihr Radiostück greift Rezza auf eine Methode der elektronischen Musikpionierin Delia Derbyshire zurück, die in den sechziger Jahre mit Hilfe von kurzen Soundloops auf analogen Magnetbändern komponierte. Sie arbeitet im sogenannten Radiophonic Workshop der BBC. Unter anderem interpretierte sie die Komposition zur Titelmusik der bekannten britischen Fernsehserie Doctor Who.

Eine weiterer Inspiration für “Pool” sind die generativen Kompositionen des berühmten britischen Künstlers, Querdenkers und Musikproduzenten unter anderem von David Bowie, Laurie Anderson, U2 und Talking Heads.



Yaku rimam: El agua habla von Alejandro Cornejo



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Im Kontinuum des Wassers befinden sich die Stimmen der Götter, sie sprechen und begleiten uns, sie lehren uns und erzählen die Geschichten der Erde.

Das Stück besteht aus einer Reihe von Aufnahmen, die an verschiedenen Orten in der peruanischen Andenregion gemacht wurden. Dazu gehört das archäologisch bedeutende Gebiet rund um die Inkaterrassen von Tipón in der ehemaligen Hauptstadt des Inka-Reiches Cusco, wo eine Reihe von Klangtexturen in einem dem Wasserkult gewidmeten Raum aufgenommen wurden. Außerdem sind Wasserläufe, Flüsse und Lagune der Sierra in mehr als 3.500 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und im südlichen Dschungel Perús zu hören.

Für den Aufnahmeprozess wurden verschiedene Arten von Aufnahmegräten und Mikrofonen verwendet. Die Komposition versucht, die vielfältigen Zustände und Strukturen des Wassers, seine Formen und Wege, seine An- und Abreise nachzubilden. Eine zyklische Welt, in der Wasser durch fünf Räume wandert: digital, gasförmig, flüssig, spirituell / beschwörend und digital.

Links:
Radio Tsonami
Encuentro Tsonami 2019