Sonntag, 13. Jänner 2018, 23:03 - 00:00, Ö1

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RADIOKUNST - KUNSTRADIO





1) “Friends About The Polywave”
2) “Not Nietzsche of The Totimorphous”

von GX Jupitter-Larsen

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GX Jupitter-Larssen ist seit den 1970er Jahren in verschiedenen Underground-Szenen unterwegs – er ist Noise-Musiker, Radiokünstler, Performer, Autor, Mail Artist, Briefmarkensammler und Filmemacher. 1979 gründete er die Noise Band The Haters, mit der er die halbe Welt bereiste; seine Heimatstadt ist Los Angeles.

Eine Konstante in seinem künstlerischen Werk ist die Suche nach einem für sein Universum gültiges Referenzsystem; dafür schafft er personalisierte Maßeinheiten – wobei er nach eigenen Angaben Missverständnisse zur Kalibrierung der Maße verwendet, denn der Vergleich einer Neuinterpretation mit dem Original zeitige ein tieferes Verständnis seiner eigenen Gedankengänge. Polywave ist einer der Begriffe, den GX Jupitter-Larssen eingeführt hat – er bedeutet die Gleichzeitigkeit von Bewegungen in alle Richtungen. Laut GX Jupitter-Larsens Polywave-Theorie ist alles in der Polywelle in Bewegung, es gibt keinen Stillstand, außer im Konzept des Nichts. Oft münden GX Jupitter-Larssens praktische Erkundungen seiner Theorie in Noise, im Rauschen oder in der materiellen Auflösung – anders sein neues Stück, das wir heute im Kunstradio präsentieren. „Friends about the Polywave“ heißt es, und es ist durchwegs gesprochen. Seine engsten Freunde, also jene Menschen, die den positivsten Einfluss auf sein Leben haben, sagen darin ihre Namen auf, unterlegt mit einem ansteigenden Ton. Ursprünglich ist das Stück für eine Soundinstallation im Coaxial Arts Center in Los Angeles entstanden – für das Kunstradio hat der Künstler eine erweiterte Fassung produziert.

Auch bei diesem Stück geht es um die Vermessung von GX Jupitter-Larsens Welt. Denn anhand der Freunde, die man hat, kann man etwas über das eigene Leben erfahren. Er schreibt: “We are the sum of those we meet in life. This is our relationship to the world. This is how we can measure how we live…” – Wir sind die Summe jener Menschen, die wir kennenlernen. Das ist unsere Beziehung zur Welt. So können wir messen, wie wir leben.“ Wie vermisst man sein soziales Umfeld, die Freundschaften und Beziehungen, die uns zu jenem Menschen wachsen lassen, der man ist? Auf diese hypothetische Frage versucht der kalifornische Noise-Musiker und Performance-Künstler GX Jupitter-Larsen eine Antwort in Form eines berührenden aber nicht sentimentalen Hörstücks.

Eine hypothetische Frage liegt auch seinem zweiten Stück, das heute in Radiokunst-Kunstradio gespielt wird, zugrunde: Was würde er wohl sagen, wenn er Nietzsche wäre? Und auch im Stück „Not Nietzsche of The Totimorphous”  greift Jupitter-Larsen auf die Stimmen seiner Bekannten in aller Welt zurück und kreiert eine multilinguale Sprachcollage, einen radiophonen „Stein von Rosette“, wie der Künstler selbst es nennt.

Link:
Coaxial Arts Foundation