Sonntag, 7. April 2019, 23:03 - 0:00, Ö1

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RADIOKUNST - KUNSTRADIO




Foto: Herbert J. Wimmer

"Geh Dicht Dichtig. Hörspieldialog mit Elfriede Gerstl"
von Ruth Johanna Benrath
Regie: Christine Nagel
Mit: Gerti Drassl, Dörte Lyssewski, Lauren Newton

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In „GEH DICHT DICHTIG!“ tritt die in Berlin lebende Autorin Ruth Johanna Benrath in einen fiktiven Dialog mit der von ihr verehrten Wiener Dichterin Elfriede Gerstl (16. Juni 1932 - 9. April 2009). Elfriede Gerstl verfasste Gedichte, Essays, kurze Prosastücke und „Denkkrümel“, wie sie selbst einige ihrer Texte nannte. Sie zählt zu den Größen der österreichischen Literatur nach 1945. Sie stammte aus einer jüdischen Zahnarztfamilie und überlebte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Verstecken in Wien. Nach 1945 studierte Gerstl Medizin und Psychologie, dieses Studium brach sie ab, verbrachte die 1960er Jahre in Berlin und kehrte 1968 nach Wien zurück. 1999 erhielt sie den Erich-Fried-Preis und den Georg Trakl-Preis, 2004 den Ben-Witter-Preis und 2007 den Heimrad-Bäcker-Preis.

1980 betrachtete Elfriede Gerstl in ihrem Essay "Aus der Not ein Hörspiel machen, zur Not ein Hörspiel hören“ die Chance des Hörspiels im Verursachen von „Denkanstößen“. Diesen Gedanken nimmt „GEH DICHT DICHTIG! Hörspieldialog mit Elfriede Gerst“ von Ruth Johanna Benrath auf, indem Benrath aus Anlass von Elfriede Gerstls 10. Todestag auf deren „Denkkrümel“ mit ihren eigenen Texten antwortet.

Die akustische Umsetzung bildet den Verlauf dieses Dialogs nach: es ist zunächst die Stimme der Autorin Ruth Johanna Benrath (gespielt von Dörte Lyssewski), die sich bei Elfriede Gerstl bewirbt mit einem literarischen Text. Gerstl Stimme (gespielt von Gerti Drassl) reagiert abwartend, weiß nicht, ob sie sich einlassen will auf das Spielangebot. Erst als die musikalische Stimme der Sängerin Lauren Newton hinzutritt, springt die Kreativität über. Aus literarischem Geplänkel erwächst ein Verfahren, in dem Gerstl und Benrath ihre unterschiedlichen Auffassungen vom literarischen Schreiben aneinander reiben, und schließlich in fantasievollen Sprachwitz überführen. Manchmal kommen die beiden nicht weiter, dann versuchen sie sich an einem Roman, oder umkreisen sprachlich den ORF-Werbespruch „Schöner hören“. Als die ältere Gerstl schließlich müde wird, macht die jüngere Benrath ihr ein Sprachbett. So steht am Ende des sprachmusikalischen Stückes der Traum von Luft in der Luft sein, in den Elfriede Gerstl entschwinden kann.

Lauren Newton trägt mit ihren Klangflächen und Sprachspielen diesen Dialog zweier Autorinnen, die sich im realen Leben nie begegnet sind, jedoch auf sprachlicher Ebene einander tief durchdringen.

Links:
Ö1 Tonspuren: Elfriede Gerstl. Erinnerungen an eine streitbare Dichterin.
Ö1 Du Holde Kunst
BR Bayern 2 - hör!spiel!art.mix
Elfriede Gerstl