Sonntag, 17. Juni 2018, 23:03 - 00:00, Ö1

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RADIOKUNST - KUNSTRADIO




NORD-SÜD: Verteilung, Flucht und Migration:
„One Blanket lost“

von Meira Asher



Im Rahmen des Ö1 Schwerpunktes NORD-SÜD: Verteilung, Flucht und Migration wiederholt Radiokunst – Kunstradio „One Blanket lost“ der aus Isreal stammenden Künstlerin Meira Asher.

Jahrelang hat Asher die Lebensgeschichten und Lebensumstände junger afrikanischer Frauen in Gran Canaria recherchiert. Diese, und vor allem eine nigerianische Frau namens Erica, kommen in ihrer Radioarbeit zu Wort.

"... Wir sprechen über zwei unterschiedliche Gruppen von Frauen. Eine Gruppe ist jene, die mit ihren eigenen Mitteln nach einer beschwerlichen Reise durch Afrika und einen ebenfalls sehr langen Aufenthalt in Marokko nach Europa kommen. Viele von ihnen bekommen in Marokko Kinder. Teilweise überspringen sie die Grenzschranken von Ceuta - eine spanische Stadt, die an der nordafrikanischen Küste der Straße von Gibraltar liegt oder sie landen in kleinen aufblasbaren Booten auf den Kanarischen Inseln oder im Süden der Spanischen Halbinsel. Ein Grossteil dieser Frauen landet aus Mangel an Beschäftigung und echter Chancen in der Regel in der Straßenprostitution.

Die andere Gruppe von Frauen reiste mit Hilfe von mafiösen Netzwerken und falschen Papieren in Europa ein. Sie kommen an den Europäischen Flughäfen z.B: in Belgien oder Griechenland an und reisen nach Spanien weiter, wo sie die falschen Papiere nicht mehr verwenden. Diese Gruppe hat im Regelfall sehr hohe Schulden von bis zu 50.000.-Euro. Aktuelle Unterlagen sprechen in der Zwischenzeit von bis zu 65.000.- Euro. Wir sprechen also von einer enormen Schuldensumme für diese Frauen, die keinen Zugang zu offizieller Arbeit haben. So enden auch die meisten von ihnen als Strassenprostituierte."

(Norberto Fresno)

Der Handel und Schmuggel von nigerianischen Frauen für die Prostitution in Spanien startete in den frühen 90ziger Jahren, oft sind dafür lange Fahrten und Märsche durch die Wüsten Algeriens und Marokkos nötig. 'One blanket lost' ist ein häufig benutzter Ausdruck der Schmuggler für den Verlust einer Decke, in der sie die auf dem Weg gestorbenen Frauen begraben.