SONNTAG, 6. Jänner 2002, 23:00. - 24:00, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST


FREQUENCitY II

curated by Steve Bates



I.


"Still Space, dead air"


II.


"coney island, july & october, 2001"


III.


"winnipeg square (blunderdevelopment remix)"


IV.


"trains of winnipeg - grain train"


 

 


A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"


I. "Still Space, dead air"

by/von Germaine Koh

a series for FREQUENCitY (Part 2 of 5) - Sofiensäle, Vienna

Introduction 1:05
field recording 3:08

 

Mit ihrer Reihe "Still space, dead air" für das Kunstradio führt die kanadische Künstlerin Germain Koh die Stille in ein Medium ein, dessen Währung offensichtlich der Ton ist. "Still space, dead air" ist eine Serie von Tonaufnahmen aus verschiedenen Städten: eine Sammlung von Aufnahmen stiller Orte mit spezifischer Geschichte, verabreicht in Dosen von Popsonglänge. Die Stille der Gegenwart eröffnet einen Raum für die Vergangenheit. Durch Einleitungstexte zu den einzelnen Orten, die jeweils konstituierender Bestandteil der Arbeit sind, entsteht eine Differenz von Informationen, die Text und Ton beinhalten. Die auf diese Weise vermittelten unterschiedlichen Stimmungen und Informationen lassen eine Spannung entstehen zwischen der Erzählung und dem "authentischen" Geräusch, die sich zwischen im Text vermittelter Geschichte eines Ortes und dem Heute der aktuellen Tonaufnahmen wiederholt.

Einleitung von Germaine Koh

"Still space, dead air" ist eine Serie von Tonaufzeichnungen aus verschiedenen Städten. Die Aufnahmen vermitteln stille Momente, um sich mit den vergangenen Nutzungen bestimmter Orte auseinanderzusetzen und deren derzeitigen Zustand aufzuzeigen.

Diese Aufnahme entstand in Wien, vor den Überresten der Sofiensäle, die am 16. August 2001 von einem Feuer zerstört wurden. In der Marxergasse 17 gelegen, wurden die Sofiensäle 1826 als großes Hallenbad errichtet und dann 1906 zu einem öffentlichen Veranstaltungsraum umfunktioniert, der als Tanzsaal, Konzerthalle und Versammlungsraum mit einem Fassungsvermögen von bis zu 2700 Personen bekannt wurde. Der zeitweise als Restaurant genutzte Hauptraum galt mit seinen 600 Quadratmetern als das größte Restaurant der Stadt. In jüngster Zeit wurden die Sofiensäle oft für Rave Partys verwendet. In einer gerichtlichen Untersuchung befand man, dass das Feuer durch Funken eines Lötkolben bei Dachreparaturen entfacht wurde.

 

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II. "coney island, july & october, 2001"

coney island

by/von David Grubbs


PLAY


Dauer: 15'50"

 

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III. "winnipeg square (blunderdevelopment remix)"

winnipeg square (blunderdevelopment remix)

by/von Steve Bates


PLAY


Dauer: 19'40"

Um 1971 entschied der Stadtrat von Winnipeg, die Empfehlungen verschiedener beauftragter Beratungsfirmen zu ignorieren und den Fußgängerzugang zur bedeutenden Kreuzung, der verrufenen Portage & Main Achse, zu schließen. Überall in Kanada als die "windigste Ecke" des Landes bekannt, wurde die Kreuzung ganz vom Fußgängerverkehr in einem dubiosen Entwurf, an dem die Stadt und das "Big Business" interessiert waren, abgeschnitten. In der Öffentlichkeit wurde der Plan damit verkauft, dass er den motorisierten Verkehr effizienter und den Fußgängerverkehr sicherer machen werde. Portage & Main ist ein breiter Platz - schließlich liegt er in der kanadischen Prairie - und für einen gesunden, trainierten Fußgänger bedarf es gute 30 Sekunden, um alle Fahrbahnen zu überqueren und auf die andere Seite zu gelangen. Heute aber werden die Fußgänger durch eine Unterführung geführt, so dass der Fahrzeugverkehr nicht mehr für die Fußgänger anhalten muss und die Fußgänger angeblich sicherer davor sind, von ungeduldigen Fahrern angefahren zu werden.

In Wirklichkeit aber zwingt die Unterführung eine ahnungslose und häufig widerwillige Öffentlichkeit vor allen an den Geschäften und Schaufenstern der Unterführung vorbei. So wurden nicht nur Betonhindernisse an den Straßenrändern aufgestellt, sondern es wird auch jeder bestraft, der dabei erwischt wird, zu Fuß die Straße zu überqueren. "Winnipeg Square" ist heute im Grunde ein Untergrundkreis, der Menschen durch Tunnel leitet und in die unterschiedlichsten Richtungen ausspuckt, die alle zu Geschäften, Hotels oder Restaurants und schließlich hinauf auf Straßenniveau führen. Doch niemand nutzt diesen Ort wirklich. Natürlich ist er - im Winnipegs Finanz- und Handelszentrum gelegen - während Pausen und Mittagszeit voll von Büroarbeitern, doch abgesehen davon ist der Platz quasi leer.

Mit "Winnipeg Square (blunderdevelopment remix)" wollte ich daher einige Zeit an diesem Ort verbringen, um zu hören und zu fühlen, wie er klingt. Die ersten etwa 3 Minuten des Stückes bestehen aus einer vollkommen unbearbeiteten Aufnahme einer Runde um den Kreis, den der Hauptfußgängertunnel bildet. Die Häßlichkeit des Sounds dieses Ortes ist erschreckend. Man kann dem Geräusch der summenden Neonröhren, der wackligen Fahrstühle oder des schwerfälligen Atems der Lüftung niemals entrinnen.

Schließlich überlegte ich mir, etwas Spaß mit diesem Ort zu haben und einige der Sounds abzumischen. "Winnipeg Square (blunderdevelopment remix)" ist nicht immer eine akkurate Reflektion des Ortes, da ich den Ort mit seiner traurigen und unangenehmen Geschichte zu eigenen Sounds mische. Auch wenn also die Sounds auf Winnipeg Square aufgenommen wurden, sind einige dank der Bearbeitung jenseits einer Wiedererkennbarkeit.

Mix your own!

Einleitung von Steve Bates zu "winnipeg square" einlitung von Steve Bates

 

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IV. "trains of winnipeg - grain train"

grain train

by/von Clive Holden


PLAY


Dauer: 5'07"

Das Ausgangsmaterial von "Grain Train" sind Aufnahmen von Zuggeräuschen in Winnipeg und ein Gedicht von Clive Holden. "Grain Train" ist Teil des vielschichtigen Projektes "Trains of Winnipeg".

Gedicht, Stimme + Train Field Recordings: Clive Holden
Musik + Klavier: Christine Fellows
Gitarre: John K. Samson
Bearbeitete Kurzwellenradiosounds: Steve Bates

 

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