29. Oktober 1998, 22.15. - 22.55, Ö1

KUNSTRADIO - RADIOKUNST



The Vancouver Soundscape

"The Vancouver Soundscape" wurde auf Initiative
des kanadischen Theoretikers, Komponisten und
Soundaktivisten Murray Schafer im Jahre 1973
von Komponisten und Studenten der Simon Fraser
University in Vancouver produziert.



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Mit "The Vancouver Soundscape" startet Kunstradio eine Sendereihe, in der Soundscapes, also Klanglandschaften, im Mittelpunkt des Interesses stehen werden. Damit setzt Kunstradio seine "Tradition", auch immer wieder Soundscapes auf verschiedenen medialen Ebenen zu Gehör zu bringen, fort (auch bei "Immersive Sound" im Rahmen von "Kunst in der Stadt" in Bregenz wurden Soundscapes von verschiedenen Orten - so auch Vancouver - über Internet in diversen Klangräumen zugänglich gemacht).

"The Vancouver Soundscape" wurde auf Initiative des kanadischen Theoretikers, Komponisten und Soundaktivisten Murray Schafer im Jahre 1973 von Komponisten und Studenten der Simon Fraser-University in Vancouver produziert. Anlaß waren die bereits damals bestehenden Lärmprobleme der Stadt. Ausgehend von der Überlegung, daß Lärm heute ein viel größeres und alltäglicheres Problem ist als jemals zuvor in unserer Geschichte sollte im Rahmen eines "world soundscape project" das akustische Environment der damaligen Zeit (70er Jahre) analysiert und daraus dementsprechende Schlüsse für etwas gezogen werden, das M. Schafer "Sound Design" nannte. Das (erste) Ergebnis dieses Projekts war die Veröffentlichung von "The Vancouver Soundscape", eine detaillierte Klangstudie der Stadt Vancouver, die auf Doppel-LP samt Begleitbuch erschien und in die Geschichte der Sound Art, aber auch der Klangökologie einging. Mehr noch: "The Vancouver Soundscape" hat diese beiden Diszipline zumindest mitbegründet.

M. Schafer`s Analysen akustischer Umfelder sind auch heute - 25 Jahre nach der Herausgabe der Klangstudie aus Vancouver - brandaktuell: "Es ist ziemlich charakteristisch für den Menschen, daß er die Dinge erst zu schätzen lernt, wenn er bereits dabei ist, sie zu zerstören", sagte Schafer in Anbetracht der Tatsache, daß Klanglandschaften, in denen man ursprünglich "ein Gleichgewicht von Klängen mit ihrer Umgebung" (M. Schafer`s Definition von akustischer Ökologie) vorfand, zunehmend von mechanisch und elektronisch produziertem Lärm und "Muzak" (z.B. allgegenwärtige Kaufhaus-und Kaffehausmusik) übertönt wurden.

Dennoch hoffte M. Schafer 1973 noch auf Veränderungen durch "bewußtes Hören";: "....und so haben wir mitten in der Kakophonie, die uns umgibt, damit begonnen, ganz genau darauf zu hören, was rund um uns passiert, in der Hoffnung, daß Veränderungen bewirkt werden können, wenn sich nur genügend Leute der Situation bewußt werden und Veränderungen verlangen."



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