15. Jänner 1998

KUNSTRADIO


A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"

I
"Aids"
eine Radioarbeit in Zusammenhang mit der Installation "WER BERÜHRT, STIRBT"
(zu sehen seit August '97 im Niemandsland/Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien am Brenner)

von
Bernhard Kathan


II
"Einem geschenkten Gaul schaut man jetzt ins Maul"
und
"Drehscheibe Schweiz"

Zwei Dialekttexte
von
Roland Jurczok.


I
"Aids"
eine Radioarbeit in Zusammenhang mit der Installation

"WER BERÜHRT, STIRBT"


(zu sehen seit August '97 im Niemandsland/Grenzgebiet
zwischen Österreich und Italien am Brenner)


von Bernhard Kathan



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Es geht um Krankheit, einen Zustand, dem mit Abgrenzung, mit Berührungsverbot, Berührungsverweigerung begegnet wird. Das Thema bedingt in diesem Fall die Form und diese Form ist die des Puristischen, rein Textuellen, ohne Bezug auf das Hörspiel zu nehmen:

"Mir geht es in diesem Beitrag darum, etwas zu transportieren, was sich mit den üblichen Mitteln nicht transportieren ließe", erläutert Kathan seine in diesem Fall rein auf Textmaterial beschränkte Verfahrensweise. Aus vorgefundenem Material stellt er Texte mit neuen Sinnstrukturen zusammenzustellen, wobei er auf akustische Untermalungen, Verzerrungen und Verfremdungen gänzlich verzichtet: "Bei Aids geht es doch sehr stark um Erfahrungsinhalte, die auf die Person selbst verweisen", erklärt des Autor.

Tagebuchähnlich werden Texte verlesen, die sich auf die Erfahrung von Krankheiten und Seuchen in unterschiedlichen Epochen beziehen. Die verschiedenen Zitate stammen von Betroffenen und Zeugen, häufig handelt es sich auch um Berichte von frühen medizinischen Experimenten, deren Ziel es war, die Ursachen von Krankheitsübertragungen zu erforschen. In diesem Zusammenhang wird die Frage nach der Berechtigung von erührungsängsten gestellt, die auch in unserer Zeit das Gros der Gesellschaft plagen: Warum überlebten oft Menschen, die diese Berührung nicht scheuten - sei es aus Liebe, sei es im Dienst der medizinischen Wissenschaft? Und ist es nicht oft gerade die Distanz, die nonymität eines sterilen Klinikbetriebes, in dem Körper verwaltet werden, die wirklich "krank" macht?

Die Reihung der Zitate und Texte, die auf diese Themen Bezug nehmen, erfolgt weder linear noch chronologisch, sodaß das Prinzip der menschliche Erfahrung mit Krankheit und Tod, mit Berührungsangst und deren Überwindung durch die Liebe aus ihrem jeweiligen historisch/epochalen Kontext herausgelöst werden kann.

Das Medium Radio bietet zudem - so Kathan - viele Möglichkeiten, Begriffsfelder und Phänomene assoziativ zu erschließen. Ein neuer, neuartiger Zugang zu dem wohl meist diskutierten und zugleich meist tabuisierten Themenfeld unserer Zeit ist ihm durch diese experimentelle Art des Umgangs mit vorgefundenen Texten und Zitaten zweifelsohne gelungen.



II
"Einem geschenkten Gaul schaut man jetzt ins Maul"
und
"Drehscheibe Schweiz"
Zwei Dialekttexte
von
Roland Jurczok


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Roland Jurczok, geboren 1974 in Wädenswill in der Schweiz, thematisiert mit seinen Stücken die Rolle der Schweiz zur Zeit des Nationalsozialismus und die Debatte um das gestohlene Gold und die damit zusammenhängende Wiedergutmachung an jüdischen Opfern des Hitler-Regimes.

"Ich studierte Leserbriefe und Tageszeitungen, schaute mir die Dokumentation der Debatte an, und der Rap wollte zurück zur oral poetry, wollte sich selbst tragen, aber wollte auch die vergewaltigte Gerechtigkeit schreien lassen. Soziales Engagement und künstlerische Arbeit haben ein Ethnologie- und Germanistikstudium gekreuzt; jetzt singe, reime und beatboxe ich", schreibt Roland Jurczok.

So entstanden die zwei Versionen des Textes: eine gesprochen und und eine gemeinsam mit der Schweizer Hip-Hop Formation "Mamanatua" gerappte. Hören sie "Einem geschenkten Gaul schaut man jetzt ins Maul" und danach "Drehscheibe Schweiz".


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