5. Juni 1997

KUNSTRADIO


"Realtime Artemis"

Polyphone Orte, alte und neue Formen der Kommunikation


Projekt für Kunstradio/Radiokunst ORF on air, online und als Live-Event im Studio RP3 des ORF

von und mit:
Peter Pessl
(Gesamtkonzeption, Hör-Raum)
Petra Ganglbauer (Hör-Raum, Internet-Gestaltung)
Gertrude Moser-Wagner (Video-Raum, Internet-Gestaltung)

Live / online : 5. Juni 97, 20 h


"Realtime Artemis“ definiert sich als akustisch-visuelles Projekt, in dessen Rahmen verschiedene zeitliche bzw. örtliche Ebenen zusammengeführt werden, um in einem gemeinsamen Brennpunkt zu münden. Der Titel versteht sich als ein übertragener, literarischer und bezieht sich auf ein Kommunkationsereignis alter & neuer Medien jenseits von Raum und Zeit.

Erste Ebene: Peter Pessl und Petra Ganglbauer vollzogen in "rituellen Schritten“ das antike Frühlingsfest zu Ehren der Göttin Kybele (die gemeinsam mit Artemis, Isis, Hekate , Diana, Maria etc. ein verwandtes göttliches Prinzip darstellt) an unterschiedlichen Orten in Latium bzw. der Toskana nach. Im Zentrum dieser Arbeit standen "Interviews“, welche Petra Ganglbauer mit Peter Pessl führte. Diese Befragungen griffen in einem Analogieverfahren auf die sogenannten hervorragenden Eigenschaften des balinesischen Priesterpoeten zurück und suchten einen Bezug zu Pessls Dialog mit der Göttin Artemis , der sich auf einen Traum-Auftrag bezog und in einem Trance-Flug-Ritual seinen Höhepunkt fand, herzustellen. Pessl befand sich während dieser Befragungen wie auch während des rituellen Vollzugs des Frühlingsrituals in unterschiedlichen Bewußtseinszuständen; u.a. unter dem Einfluß der Atropa Belladonna.

Zweite Ebene: Petra Ganglbauer dokumentiert die "rituellen Schritte“ mit SW-Fotos.

Dritte Ebene: Parallel zur Recherche von Peter Pessl und Petra Ganglbauer stellte Gertrude Moser-Wagner zwei neue Videoarbeiten in Italien her, die das Thema Primärsprache, Träger von Sprache und Verhältnis der Worte zueinander zum Thema haben ("Tutt´uno“). Im zweiten Video, "Tornasole“, die Dokumentation eines Frühlingsfestes, einer Ostertafel, Form menschlichen Zusammenseins, bzw. dessen Dynamik, Konzentration und Dispersion, kommt akustisch ein "Sonnengedicht“ des Schriftstellers Arrigo Lora-Totino, eines Vertreters der konkreten Poesie, vor, welches das Wort und die Bedeutung von "Tornasole“, eigentlich "Lackmus“, wörtlich aber "..komme zurück, Sonne..“ in unendlich viele Variationen aufsplittet.

Realisation des Live-Events: der Raum des RP3 ist ein begehbarer Ort, an dem für die Dauer von etwa einer Stunde Audio-Boxen und Video-Monitore aufgestellt sind. Die Installation ist eine akustische und visuelle Zusammenschau des Projekts "Realtime Artemis“. Die Funktion der Videobilder ist weder illustrierend noch dokumentarisch, vielmehr wird der Versuch unternommen, die beiden Bereiche Bild und Klang in eine gegenseitige Evokation zu bringen. Die Auswahl der Video-Arbeiten erfolgt nach formalen und inhaltlichen Prinzipien: Auf fünf gleich großen Sony-Monitoren, die am schwarzen Boden-Viereck des Studioraumes in schräger Draufsicht leicht gekippt aufgestellt sind, bewegen sich Bilder. Drei davon sind Bilder von bestehenden Installationsbändern, die formal und thematisch das Thema des Eingangs/Durchgangs und der Drehbewegung untersuchen. Bei den beiden anderen Videos handelt es sich um die bereits erwähnten.


PROGRAM
CALENDAR