"Obduktion" setzt sich mit der Frage nach der materiellen (auch verwertbaren) und akustischen Wesensart des toten menschlichen Körpers auseinander: "Da ist nichts mehr, nur ein Stück leblose Materie", formuliert Elisabeth Schimana ihre Erfahrung, die sie im Obduktionssaal eines Spitals beim Beobachten der Vorgänge am Seziertisch machte. Sie nahm dabei die Geräusche auf, die beim Sezieren entstehen, sowie andere Neben-und Hintergrundtöne, die die Atmosphäre des Geschehens und des Ortes prägen. Die Bearbeitungsmethode des Originaltonmaterials gleicht dabei dem Seziervorgang: der leblose Körper wird in seine Einzelteile zerlegt, die Organe aus ihren Kreisläufen isoliert, sodaß jeder dieser Bestandteile als eigenständiges Objekt betrachtet werden kann; diesem Prinzip gemäß löst die Künstlerin bestimmte akustische Phänomene aus der Gesamtheit der Tonaufzeichnungen. Im Stück sind sie als abgeschlossene, vom übrigen Tonmaterial abgetrennte Geräusch-und Klangsequenzen zu hören: Wasserrauschen, Knochenbrechen, Knochensägen, Stimmen...
Texte werden verlesen, die sich auf den Tod beziehen.
Elisabeth Schimana: "Der Tod hinterläßt keinen Klang, allein die Lebenden schaffen die akustische Situation am Seziertisch, in die der Leichnam eingebettet ist".
Dieses Radiostück ist auch auf CD erschienen, die einzeln oder gemeinsam mit dem Katalog zur Ausstellung im Offenen Kulturhaus Linz erhältlich ist.
Offenes Kulkturjaus Linz: Dametzstr. 30, A-4020 Linz;
Tel: +43(0)732-784178; Fax: +43(0)732-775648
Christian Scheib über "Obduktion"