KUNSTRADIO


I "Goldstimme - E.G. Radio 3"

von Josef Klammer


II "Future of Memory"

eine radioversion der CD "The Future of Memory"

von Andrea Sodomka / Martin Breindl / Norbert Math


I.

"Goldstimme - E.G. Radio 3"

von Josef Klammer

Eine Komposition aus der Radiostimme Ernst Grissemanns. Die Radioarbeit "Goldstimme - E.G. Radio 3" erschien auch auf CD, die in Innsbruck im Landesstudio Tirol zusammen mit einer Performance von Josef Klammer präsentiert wurde.

In einem Gespräch mit Ernst Krohotolski vom Landesstudio Steiermark sprach Josef Klammer über seine Kompositionsarbeit:
"Aus ungefähr 20 Stunden Archivmaterial diverser Sendungen wurden etwa 500 kleine Fragmente filtriert, herausgearbeitet und digitalisiert. Das Stück gliedert sich in 3 Bereiche. Zum einen die nach Kürze, Percusivität und unterschiedlichen Anfangscharakteristika ausgesuchten Stimmfragmente. Der zweite Bereich umfaßt musikalische Kleinteile denen musikalische Grundgeräusche unterliegen. Die dritte Zugangsweise würde ich als Homonyme bezeichnen also gleichklingende Wortteile die so zu einem fertigen Klang aneinander gereiht wurden, daß sie in einem Fluß gespielt, aufgenommen oder weiterverarbeitet werden können."

... "Ich habe jedem Teil dieses Materials die Originaltonhöhe gelassen, um keine Verfälschungen oder Verschleifungen zu erzeugen. Was vielleicht manchem Zuhörer oder Zuhörerin als bekanntes Wort vorkommen könnte, ist eher auf eine Täuschung zurückzuführen. Es war nie meine Absicht ganze Wörter zu verwenden. Das Stück wurde strukturiert. Es fängt an mit sehr vielen Einatmern die meines Erachtens auch für die Stimme von Ernst Grissemann sehr markant und wichtig sind, um eine Ruhe in der Stimme zu finden oder zu suchen. Das Stück erlebt dann von mir aus gesehen eine gewisse Dichte. Eine "anspruchsvolle" Phase geht dann über in kleine Popthemen und in kleine Kinderthemen womit ich auch einen repräsentativen Querschnitt aufzeigen will zu welchen oder in welchen Sendungen Grissemann gesprochen hat. Gegen Ende hin sind die einzigen 4 kurz verständlichen Sätze zu hören und zwar spricht dabei Grissemann: 'die Langwelle, die Mittelwelle, die Kurzwelle, die Ultrakurzwelle'. Und schließlich verschwindet die Stimme in einem Rauschen bzw. in sich selbst."





II.

"The Future of Memory"

eine radioversion der CD "The Future of Memory"

von Andrea Sodomka / Martin Breindl / Norbert Math



Für das ORF-Kunstradio haben Sodomka, Breindl und Math eine Auswahl aus den 42 Tracks der CD in der Länge von 14einhalb Minuten zusammengestellt. Die Radioversion wurde als ein Beitrag des ORF beim Prix Italia vorgestellt, was auch die Auswahl der Künstler beeinflußte:
"Wir haben versucht Stücke auszuwählen, die mit Italien zu tun haben und wo auch Bezüge zur aktuellen politischen Situation in Italien herausgehört werden können."



Das Medium CD selbst reflektierte die Arbeit "Future of Memory" von Sodomka, Breindl, Math. Es handelte sich zunächst um eine CD, die als akustischer Katalog des Projecto civitella daliano von 1993 den gedruckten Katalog begleiten sollte. Teilnehmer des Projecto waren aufgefordert für die CD nach einem Modulsystem kleine Kompositionen, deren Thema Erinnerungen an den Sommer in Civitella sein sollte, an Sodomka, Breindl, Math nach Wien zu schicken.

Die Autoren meinten zu ihrem Projekt:
"Von jedem Künstler und jeder Künstlerin sind Kompositionen gekommen, die in sich geschlossene sind. Die Kompositionen jedoch wurden - wie vorher festgelegt - wieder aufgeteilt in einzelne Tracks. Diese akustische Katalogform die wir gewählt haben, funktioniert so, daß man entweder jede einzelne Komposition für sich linear abhören kann, oder man kann nach alliatorischen Prinzipien Tracks aus den verschiedensten Kompositionen mischen. Das heißt der Hörer kann neue Kompositionen erstellen, sofern er einen vorprogrammierbaren CD-Player besitzt. Es gibt darüberhinaus noch die Möglichkeit es der Maschine zu überlassen, die Auswahl zu treffen. Es entstehen also immer wieder neue Uraufführungen."

Mit "The Furture of Memory" reflektieren die Künstler und Komponisten Sodomka, Breindl, Math die CD aber auch ganz ausdrücklich in Bezug auf das Medium Radio:
"In Hinblick auf die Diskussion um digitales Radio wurde die CD - also die vorgefertigten 42 Tracks die darauf sind - bewußt als Sendemaster konzipiert, in dem Sinn, daß je nach Dauer oder Richtung der Sendung quasi jedesmal eine neue Komposition zusammen gestellt werden kann. Es war nicht unser Plan, ein von Anfang bis Ende fertiges Stück zu machen. Hier aber hat man es mit einer Vielzahl von Tracks zu tun, die man jeweils neu komponieren kann, wobei die prinzipiellen Möglichkeiten die CD bzw. diesen Katalog zu spielen sehr hoch sind. Für jede Sendung kann ein neuer Laufplan erstellt werden, d.h. daß aus zwar identischem Material immer neue Abfolgen festgelegt werden können. Man hat die Möglichkeit, eine Sendung von einer Stunde oder von 5 Minuten zu machen. Diese Variabilität in der Länge, in der Dauer und für den Anlaß betrifft auch das Radio. Die Trackliste kann nach bestimmten Programmschwerpunkten erstellt werden und zwar zufällig oder sorgfältig je nach Sendung ausgesucht. Oder man überläßt es den Hörern und Hörerinnen sich Tracks zu wünschen. Die Zugangsweise zu diesem Sendemaster ist also sehr vielfältig. Dieses System funktioniert im Sinne eines interaktiven Radios."




1994 Calendar 2