Als Winnetou wieder reitete, Kung Fu wieder einmal seinen Feinden
seine alles vernichtenden Schläge und Tritte verpaßte und der
tapfere Kriminalinspektor vom "Polizeifunk" auf Mörderfang loszog,
hatte der kleine Thomas sein Ohr am Radio.
Aus seinen Kindheitserinnerungen an die recht trivialen, für ihn
damals spannenden Hörspielserien aus den 50iger-, 60iger-und
70iger-Jahren entwickelte der Autor Thomas Pfeffer Idee und
Konzept für seine Radio-Collage "Beugehaft für Rolf". Das
"zerschnipselte" und gefilterte Tonmaterial der genannten und
einiger anderer für diese Radio-Ära typischen Hörspielsendungen
montierte Pfeffer zu einer radiophonen Komposition, die zum einen
den damaligen Zeitgeist in Erinnerung ruft, zum anderen die
unfreiwillige Komik, die durch den Pathos und die
trivialisierenden, stereotypen dramaturgischen Effekte
hervorgerufen wird, verstärkt zur Geltung bringt.
In diesen Produktionen geht es in erster Linie um Exotik und
Abenteuer im "Wilden Westen" oder im "Mord-Buben-Milieu":
Die Autoren lassen dabei ihrem Drang zur "perversen Fantasie"
(T.Pfeffer) freien Lauf: "Sie haben die Freiheit der Fantasie ad
absurdum geführt, indem sie ihre Fantasie in konventionelle
Moralvorstellungen gepreßt und damit abgekappt haben", sagt Thomas
Pfeffer. Das "Perverse" an diesen Hörspielproduktionen und ihrer
Gestaltung (Text und Sprachduktus, Geräusch-und Musikeinsatz)
liegt seinem Empfinden nach vor allem an den darin erkennbaren
Vermischungen von scheinbar Gegensätzlichem: Miefige, moralinsaure
inhaltliche Ansprüche finden den Gipfelpunkt ihrer Erfüllung
letztlich in Gewaltexzessen und anhaltenden Gewehrsalven. Mittels
Samples und Schleifen gelingt es Thomas Pfeffer den Charakter der
Trivialität und der Brutalität - aber auch des Komischen dieser
"epochalen" Radio-Serien - zielgerecht zu fokussieren, zu
akzentuieren und zu verstärken.
Thomas Pfeffer über seine Methodik: "Man könnte sagen, ich habe
dieses Hörspielmaterial "in Beugehaft genommen", in dem ich es
bearbeitet und karikiert habe, um es zu einem Geständnis zu
zwingen."
Seine "Jugendsünden" - das regelmäßige Hören von Western-und
Krimi-Serien im Radio verdammend, erreicht Thomas Pfeffer
letztendlich sein Ziel. Ein ganzes Hörspiel-Genre samt Zeitgeist
gesteht: seine falsche, weil verständnislose Liebe für Fremdes
Exotisches, seine Seichtheit und Oberflächlichkeit, seine lächerlichen Klischeeß. Mit einem Wort: seine vom Massenpublikum
seinerzeit geliebte, aber literarisch und medial recht fragwürdige
Trivialität.