KUNSTRADIO



"PILLARS OF MEMORY"

installation at ZEITGLEICH, Hall in Tirol, summer 1994

Eine Radioarbeit von Ros Bandt.

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- 39'13

A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"

Räumlich-akustische Ereignisse und Klangmuster, die mit der Stadt Hall und ihrer Geschichte, sowie mit der Geschichte der Salzgewinnung in enger Verbindung stehen, bestimmen das Hörgeschehen dieser radiophonen Arbeit. Ros Bandt hat sie für ihre interaktive Klanginstallation PILLARS OF MEMORY - zu sehen vom 15. Juli bis 31. August im Rahmen der Ausstellung ZEITGLEICH im aufgelassenen Salzmagazin in Hall in Tirol realisiert und als Material für dieses Hörstück verwendet.

Die spezifischen räumlichen Gegebenheiten des Salzmagazins bilden die Koordinaten der Klanginstallationen aller an der Ausstellung ZEITGLEICH beteiligten KünsterInnen - so auch der Klanginstallation PILLARS OF MEMORY.

Die Auflage, die verschiedenen im Salzmagazin aufgebauten Installationen akustisch und räumlich aufeinander abzustimmen, um die Ausstellung und ihr Umfeld als ganzheitlich und simultan erfahrbar zu machen, bedingt, daß in die Akustik von PILLARS OF MEMORY auch Klänge von nahegelegenen Installationen eindringen, wie etwa jener von Bill Fontana: Meeresrauschen läßt an den Ursprung der Salzgewinnung denken. Von anderer Seite mischen sich Geräusche einer fremden urbanen Kultur (Klanginstallation "NAPOLI" von Roberto Paci Dalo) in die Haller Klangarchäologie von Ros Bandt's Installation.

Als Standort ihrer interaktiven Klanginstallation hat die in Australien lebende Künstlerin Ros Bandt, die international zu den Profiliertesten auf dem Gebiet der Bildenden Kunst (Klangskulpturen und interaktive Klanginstallationen) sowie der Radiokunst zählt, den Hauptraum des Salzmagazins gewählt. Die sieben Säulen dieses Raumes wissen Geschichten zu erzählen: Geschichten der Erinnerung. Ros Bandt nennt sie deshalb "Pillars of Memory". Geht man an ihnen vorbei, werden (ausgelöst durch Sensoren) sieben unterschiedliche Klangquellen aktiviert, die auf einem achten räumlichen Klangkontinuum (bestehend aus Geräuschen des nahegelegenen Inn) verschiedene akustische Muster entstehen lassen. Das Tonmaterial dieser Muster hat Ros Bandt bei ihrem Aufenthalt in Hall wenige Monate vor der Ausstellung aufgenommen und anschließend im digitalen Hörspielstudio des ORF in Wien gemixt. Für diese Aufnahmen hat Ros Bandt einige Bewohner Halls nach der Geschichte ihrer Stadt und nach der Geschichte der Salzgewinnung befragt: einen Geologen, den Direktor der Mine, Arbeiter, einen Kaufmann, den Verwalter des Herrenhauses. Zwei über 80jährige Hallerinnen erzählen vom "weißen Gold", das über Jahrhunderte das Schicksal der Stadt und ihrer Bewohner bestimmte.

Damit gelang es Ros Bandt nicht nur, Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld des Ausstellungsortes in die Vorbereitungsarbeiten für die Klanginstallation miteinzubeziehen, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und der historischen Entwicklung der Stadt in Gang zu setzen. Geräusche aus der Stadt Hall (Gesänge und Jodeln im Cafe Saline, Glocken, Kinderstimmen, Autos und Motorräder), sowie Geräusche aus der Geschichte der Salzgewinnung und des sich ständig verändernden Arbeitsprozesses (Pferdewagen, Arbeitsgeräte aus dem 19.Jahrhundert) vervollständigen das Klangmaterial für die "Säulen der Erinnerung" und deuten schließlich und endlich an, welchen Verlauf die Geschichte des Salzmagazins zukünftig nehmen wird ..

Die Installation PILLARS OF MEMORY, sagt Ros Bandt, "handelt nicht nur von der Geschichte des Salzes. Sie enthält vielmehr den Wiederklang der Bedeutung einer Kultur, die aus der Salzgewinnung her bestimmt worden ist. Die Auswirkungen der Schließung des Salzbergwerkes im Jahre 1967 sind nicht einfach zu vergessen. Und die Zukunft des Salzmagazins selbst muß erst definiert werden. PILLARS OF MEMORY ist auch eine Metapher für das unaufhörliche Streben des Menschen, Realität zu verstehen und zu definieren. Es handelt sich um eine sich ständig verändernde und vielschichtige Erfahrung, die sich jedem Besucher anders darbietet, aber notwendigerweise durch das gesellschaftliche Umfeld und durch die Bewegungen anderer Menschen bestimmt wird".




1994 CALENDAR 2