KUNSTRADIO


"VIRTUAL NATURE"

von Bill Fontana
Duration: 44' 30"
Produktion: ORF Kunstradio, 1994
Die Radioarbeit "Virtual Nature" basierte auf Tonmaterial das Fontana 1990 in der Hainburger Au aufgenommen hat. Für "Kunstradio-Radiokunst" hat Bill Fontana diese Aufzeichnung aus der Stopfenreuther Au neu gemischt und zu einer Radiokomposition verarbeitet.

Die im Mai 1990 aufgenommene Klanglandschaft aus der Hainburger Au bildete zunächst das Material für die Live-Skulptur "Landscape Soundings - Klanglandschaften" auf dem Maria Theresien Platz im Rahmen der Wiener Festwochen 90. Zwei Wochen hindurch wurden damals mit Hilfe von 16 Mikrofonen Geräusche aus der Au ohne Unterbrechung zum Maria Theresien Platz und ins ORF Radio übertragen. Aus diesem Tonmaterial entstand 1994 im Wiener Funkhaus für die Sendung ORF-Kunstradio und für eine CD die Arbeit "Virtual Nature".



"Landscape Soundings" von Bill Fontana vermittelte ein sehr intimes Bild der Au bei Hainburg und der Natur: Tag und Nacht belauscht und abgehört von 16 Mikrofonen die 1990 in der Stopfenreuter Au versteckt waren, zu dem harmlosen Zweck des möglichst genauen Erfassens einer Klanglandschaft. Die Installation der 16 Mikrofone erziehlte einen Grad der Simultanität des Raumhörens den die zwei menschlichen Ohren nie erreichen könnten.

Als Ergänzung zum Katalog der Live-Skulptur "Landscape Soundings" entstand 1990 auch eine CD "Landscape Soundings - Klanglandschaften" die Klänge von Bill Fontanas recherschierenden Rundgängen in der Au vom März 1990 enthielt und einen Märztag in der Au nachzeichnete. Die Aufnahmen dazu entstanden mit Hilfe von 2 Mikrofonen und in Anwesenheit des Menschen Bill Fontana.

Wie immer hat Bill Fontana auch bei der Arbeit "Virtual Nature" die Klänge selbst nicht verändert und bis auf eine Stelle am Anfang auch nicht miteinander vermischt und v.a. nicht verschönert oder gar romantisiert.

Bill Fontana berührte bei seiner Arbeit im Studio also weder die zeitliche noch die räumliche Struktur und Perspektive der Aufnahmen, die er ausgesucht hatte durch irgendwelche Eingriffe. Er blieb auch bei der Arbeit mit aufgenommenen Tönen so nah wie möglich beim Live-Ton und bei seinem Prinzip nicht den Klang, sondern den Kontext zu verändern in dem wir den Klang hören, mit dem Ziel die Menschen überhaupt erst zum Hören zu bringen.

Vielleicht noch mehr 1990 war denn auch Soundökologie ein zentraler Begriff in der Arbeit von Bill Fontana. Ein anderer wichtiger Begriff war der der Simultanität. Diese Begriffe und die Live-Übertragung spielten auch in anderen Installationen von Bill Fontana eine wesentliche Rolle. "Simultanios Resonances" war z.B der Titel seiner Installation in der Ausstellung "Zeitgleich" die im ehemaligen Salzmagazin in Hall in Tirol stattfand. Diese Installation mischte Live-Töne aus dem Halltal mit Aufnahmen von Meeresklängen zu einem intensiven Klangraum. Internationales Aufsehen erregte Bill Fontana im Juni und Juli 1994 mit "Sound Eiland", eine Arbeit die den Arc de Triumph in Paris zur Klangskulptur machte. Die Klänge kamen über 16 Live-Leitungen von verschiedenen Orten der Stadt Paris und von 4 Live-Leitungen von der Atlantikküste in der Normandie.



"Ich gehe davon aus, daß zu jedem gegebenen Augenblick etwas von Bedeutung zu hören ist. Genaugenommen nehme ich an, daß Musik im Sinne von bedeutungsvollen Geräuschmustern ein natürlicher Prozeß ist, der ständig abläuft." (Bill Fontana)



Auch als CD erschienen.



1994 CALENDAR 2