KUNSTRADIO


I. "Große Brennessel - Gespräche im Transit"

von Peter Pessl

II. "Radiomutationen, Teil 3"

von Christoph Cargnelli und Peter Szely


I.

"Gespräche mit der großen Brennessel"


Ein Hörstück von Peter Pessl im Rahmen der ORF-Kunstradio Reihe "TRANSIT"

Eine Radioarbeit im Rahmen voneinem vom BMUK, Land Tirol und dem ORF-Landesstudio Tirol unterstütztem Verein zur Forderung und Realisierung von künstlerischen Projekten im elektronischen Raum, insbesondere im Raum der Massenmedien Radio und Fernsehen.



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- 27'32"
A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"
1. Teil: "Flames" - Frage nach dem Inneren
2. Teil: "My Queen" - Gespräche mit der großen Brennessel.

Der steirische Literat Peter Pessl kommuniziert im Trance-Zustand mit einer Pflanze - einem Brennesselbusch auf einer Wiese in 1000 Meter Seehöhe. Um in die Welt der Wesen und Gegenstände einzudringen, die mittels menschlicher Sprache nicht erfaßbar ist, muß man sich eine einen Bewußtseinszustand versetzen, in dem man mit dieser unhörbaren Welt, die ja ununterbrochen spricht, kommunizieren kann", erklärt Peter Pessl.

Er will das Sprechen der Pflanze auch dem Zuhörer wahrnehmbar machen und setzt dafür die Sprechwerkzeuge seiner eigenen Person ein: die Kommunikation mit dem Brennesselbusch ist als Schamanengesang zu hören. Eine Schwebefliege stellt mit ihren auf hoher Frequenzebene zu hörenden Flügelbewegungen die Verbindung zur Pflanze her. Diese "vermittelnde" Funktion haben auch die Tollkirschen und eine Rassel, mit deren Hilfe dieser "Transit"-Bereich an der Schwelle zur Sphäre des Spirituellen betreten wird.

Um seine Gespräche mit der Brennessel - ein einzigartiges Experiment - auch seinem Publikum darzustellen, hat Pessl ganz bewußt die Form des Hörstücks gewählt: "Literatur geht oft bis an die Grenzen des Sagbaren - aber ein Minimum an Verständlichkeit muß dabei immer eingehalten werden. Beim Hörstück kann diese Grenze ausgeweitet werden." Seine Erfahrungen während seines Dialogs mit der Pflanze beschreibt Pessl folgendermaßen:

"Ich hatte deutlich das Gefühl, daß von mir Besitz ergriffen, daß ich stundenlang festgehalten wurde. Ich die Empfindung des Ausgeliefertseins." Nach Auffassung des Autors "ist es heute notwendig, in die Epoche vor der Aufklärung zurückzukehren und dabei gleichzeitig die Aufklärung und ihre Gedankenwelt zu überschreiten". Eine Ansicht, die der Autor ganz besonders auch für die Literatur zu Geltung bringen möchte.


II.

"Radiomutationen, Teil 3"

von Christoph Cargenlli und Peter Szely

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- 9'45"
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Im dritten Teil der "Radiomutationen" gerät der Komponist in die Rolle des "Rezipienten des Rezipienten": durch das jeweils akustisch unterschiedliche Umfeld, die akustischen Eigenheiten der jeweiligen Empfängergeräte sowie die verschiedenen (wahrnehmbaren) Reaktionen der Zuhörer, die während der Sendung als Zusatz- und Hintergrundakustik zusammen mit der ursprünglichen Komposition aufgenommen wurden, hört er sein Stück in acht variierenden Versionen wieder, um sie live im Studio sogleich zu einer völlig neuen Komposition zu mixen.


1994 Calendar 1