KUNSTRADIO


KUNSTRADIO - Zu telematischen
Projekten aus Anlaß von REALTIME


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Dauer: 44'39"
Ö1 ZEITON zu REALTIME

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Dauer: 54'33"

A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"


Moderation:

"Am 23. Februar 1912 wanderte ich durch jenen Teil Tirols, der fast vor den Toren Münchens beginnt. Es fror. Die Sonne hatte den ganzen Tag über geschienen und ich hatte einen Landstrich weit hinter mir gelassen in dem Märchenschlößer sich in der Dämmerung in rosenfarbenen Seen sich wiederspiegelten. Die Nacht war hereingebrochen. Der Vollmond erhellte sie. Ein dahintreibender Klotz am Firmament an dem kalte Sterne funkelten. Es mochte gegen 5 Uhr sein. Ich war in Eile da ich bis zum Abendessen in dem großen Hotel in Verb eintreffen wollte, einem Dorf das den Alpinisten wohl bekannt ist und das nach der Karte die ich in der Tasche hatte, nicht mehr als 3 oder 4 Kilometer entfernt sein konnte.

Der Weg war schlecht geworden. Ich kam an eine Wegscheide an der 4 Fußwege sich trafen, wollte auf meiner Karte nachschauen, merkte aber, daß ich sie unterwegs verloren hatte. Auf der anderen Seite entsprach die Stelle an der ich mich befand in keinem Punkte der Reiseroute, die ich mir vor dem Aufbruch zurechtgelegt hatte und an die ich mich ganz genau erinnerte. Ich hatte mich verirrt. Die Zeit drängte und ich legte keinen Wert darauf unter dem blanken Sternenhimmel zu kampieren, also entschied ich mich für den Weg der in Richtung Verb zu gehen schien. Nach einer halben Stunde kam ich an eine Stelle, an der der Fußpfad vor einer etwa 50 Meter hohen Felswand endete. Und dahinter erhoben sich wie ein chaotischer Block weiße Schneeberge. Um mich herum schwankten die düsteren, tief herabhängenden Umrisse großer Tannen, denn es war Wind aufgekommen und ihre Wipfel schlugen aneinander. Dieses unheimliche Geräusch erhöhte noch das Grauen der Wildnis in die mich der Zufall geführt hatte. Ich sah ein daß es unmöglich war, Verb vor Tagesanbruch zu finden und suchte darum nach irgendeiner Grotte oder Felshöhle wo ich bis zur Dämmerung vor dem Wind schutz finden konnte. Als ich gerade sehr sorgfältig besagte Felswand untersuchte, die sich vor mir erhob, schien es mir als bemerke ich eine Öffnung. Ich wandte mich ihr zu. Ich entdeckte eine sehr geräumige Höhle und wagte mich hinein. Drausen tobte der Wind immer stärker und die Klage der Tannen hatte etwas so herzzerreißendes, als hätten tausende verirrter Wanderer ihre Verzweiflung hinausgeschrien. Als ich mich nach einigen Minuten an die Höhle gewöhnt hatte, nahm ich ferne Andeutungen von Musik wahr. Zuerst glaubte ich mich zu irren, doch bald zweifelte ich nicht länger. Wohlklingende Tonschwingungen erreichten meine Ohren und drangen aus dem Schoße des Gebirges hervor. Welch ein Staunen, welch ein Schrecken."

So beginnt die 1916 erschienene Geschichte "Der Mondkönig" von Appolinaire, deren Bedeutung für die heutige Sendung sich erst später erschließen wird. Beim Kunstradio und dem anschließenden Sendung Zeitton begrüßen sie Christian Scheib.

Manche von ihnen haben es vielleicht gestern miterlebt, das telematische simultan Event REALTIME, das gleichzeitig in den ORF Landesstudios Tirol, Steiermark, Oberösterreich sowie in ORF 2 und Österreich 1 stattgefunden hat. In jedem der drei Studio fand eine Performance statt die jeweils von den beiden anderen Studios her beeinflußt wurde. Die beteiligten Künstler und Künstlerinnen hatten alle zwischen den Studios bestehenden Leitungen aktiviert: die Telefonleitungen, die Ton- und Bildleitungen und die Datenleitungen. Und besonders mit Hilfe der Übertragung von Steuerungsdaten gelang es ihnen, Instrumente zu spielen, die jeweils in den Studios standen in denen sich die Spieler nicht befanden, oder das Licht in den beiden entfernten Studios zu beeinflußen usw. Es war unseres Wissens jedenfalls das erste Mal daß ein telemaisches Simultanereignis das auch eine multimediale Kollektivkomposition war, zugleich in Radio und Fernsehen stattgefunden hat. Kunst in Datennetzen zwischen verschiedenen Orten und zugleich im Radio das hat es schon gegeben. Und einige der an REALTIME beteiligten Künstler und Künstlerinnen waren an solchen Vorstufen der gestrigen Aufführung beteiligt. Wir wollen heute die Geschichte der Simultankonzerte so weit wir sie kennen rekapitulieren und dabei gerade auch auf den österreichischen Beitrag zu dieser Geschichte eingehen - und der scheint nicht unwesentlich zu sein.

Daß sich die Sendungen Kunstradio und Zeitton zu diesem Exkurs zusammengetan haben, weist wie auch der Umstand, daß bei dem gestrigen mitternächtlichen REALTIME Projekt Künstler beteiligt waren die man früher entweder der Musik, der Bildenden Kunst, der Literatur oder dem Schauspiel zugeordnet hätte und die zur Zeit in Ermangelung eines anderen Namens Medienkünstler oder -künstlerinnen genannt werden, weist darauf hin daß die Digitalisierung herkömmliche Sparten überrennt. Vorhergeahnt haben das wie vieles andere die Avantgardisten der ersten Jahrzehnte unseres Jahrunderts - die Dadaisten, die Futuristen und wie sie alle hießen verkörperten zum Teil nicht nur selbst bereits den Künstlertyp der in den Zeiten des Multimedia, des Cyberspace die auf uns zukommen gefragt sein wird, und der sich eben nicht mehr einer bestimmten Sparte ja vielleicht nicht einmal mehr dem Kunst- bzw. Musikbetrieb zuordnen läßt. Sie nahmen in ihren Schriften vieles von dem vorweg, was aus der indurstriellen Revolution geworden ist und was eine Kunst der postindustriellen Gesellschaft der Informationsgesellschaft sein könnte. Vieles von dem was sie postulierten ließ sich damals technisch noch nicht verwirklichen und auch der Kunstbegriff den sie formulierten, kommt vielfach erst heute zum tragen.

"Eine neue Kunst die dort beginnt wo Theater, Kino und Erzählung aufhören. Unendliche Erweiterung des Raums, nicht mehr sichtbar oder eingrenzbar, entwickelt sich eine universale und kosmische Bühne. Empfang, Verstärkung und Veränderung von aus lebenden Wesen aus lebenden und toten Geistern kommenden Vibrationen. Dramen von Seelenzuständen, Geräuschemacher ohne Worte. Empfang, Verstärkung und Veränderung von der aus Materie kommenden Vibrationen. Wie wir heute das Rauschen des Waldes und des Meeres hören, werden wir morgen von den Virbrationen eines Diamanten oder einer Blume verführt werden. Eine Kunst ohne Zeit und Raum, ohne Gestern und Morgen. Die Möglichkeit Sender zu empfangen nach verschiedenen, verschmelzenden Zeitplänen und das Fehlenen von Licht zerstören die Stunden, den Tag und die Nacht. Das Empfangen und Verstärken von Licht und Stimmen der Vergangenheit mit der Thermoionischen Röhre werden die Zeit zerstören." So die beiden Futuristen Pino Masnata und Philipa Thmaso Marinetti in ihrem Manifest "La Radia".

Und mit "La Radia" war eben nicht das Radio im engen Sinne gemeint, sondern alles was austrahlte. Heute würden wir sagen bei "La Radia" handelt es sich in vielem um ein Manifest zum Thema Kunst und Telekommunikation. Die drahtlose Fantasie war ja ebenfalls von Marinetti beschworen worden. Marinette der sich selbst in den Faschismus verstrickte, hatte schon früher ein futuristisches Manifest in einem Massenmedium plaziert und zwar auf der Titelseite des Figaro. Im Radio trat er soviel man weiß, nur ein einziges Mal auf. Marinetti hinterließ aber Partituren für einige Radiostücke, die er damals noch nicht realisieren konnte. Darunter ein "Drama der Entfernungen", das zu seiner Realisierung stillschweigend ein weltumfassendes Netz von Radioleitungen voraussetzt, mit dessen Hilfe man in das hineinhören kann, was zu einem bestimmten Zeitpunkt an verschiedensten Orten der Welt passiert. "11 Sekunden eines Militärmarsches in Rom. 11 Sekunden eines Tangos aus Santos. 11 Sekunden Tempelgesang aus Tokio. 11 Sekunden von einem ländlichen Fest bei Varese. 11 Sekunden Boxkampf aus New York. 11 Straßenlärm aus Mailand. 11 Sekunden eines neapolitanischen Liedes, gesungen in einem Hotel an der Copa Cabana in Rio de Janairo."

Hören sie eine Realisierung des "Dramas der Entfernungen" von Marinetti aus den späten 70er Jahren. Es handelt sich um eine Studiomontage und kein Live-Event. Das "Drama der Entfernungen" nach einer Partitur oder nach Anweisungen von Marinetti. Aufgeführt wird dieses Drama der Entfernungen von einem oder vielen Technikern und einem regieführenden Redakteur heute längst in allen Nachrichtensendungen in denen Korrespondentenberichte live aus allen Echen der Welt eingespielt werden. Während diese Berichte häufig wie gelesene Zeitungsmeldungen klingen, war für Marinetti die Befreiung der Worte aus der traditionellen geschriebenen Litertur und ihrem Betrieb - also aus der Welt des Buches - sehr wichtig. Auch hier war er ein Vorläufer späterer Medientheoretiker.

Appolinaire hat für den Einweg-Rundfunk der aus aller Welt Materila einholt ein sehr schönes Bild gefunden: "Und hier an dieser Stelle hatte ich das bewegenste Erlebnis meiner Reise. Denn als ich diesen Ort verlassen wollte, und nicht wagte einfach kehrt zu machen, öffnete ich aufs Geratewohl geräuschlos eine kleine Tür, nahe der Orgel. Es mußte gegen 8 Uhr abends sein. Ich warf einen Blick in einen großen Saal der nicht weniger gut beleuchtet war, als der in dem ich mich befand und in dem es stark nach Rosenwasser duftete. Ein Mann mit jugendlichem Gesicht, dabei war er ungefähr 65 Jahre alt, stand dort. Gekleidet wie ein vornehmer französischer Herr aus der Zeit Ludwig XVI. Sein geflochtenes Haar klebte voller Puder und Pomade. Wie mir später klar wurde, waren Szenen aus dem Leben Richard Löwenherz auf seiner Weste eingestickt und zwei Daumen breite Knöpfe enthielten unter Glas 12 Miniaturen - die Porträts von 12 Cesaren. Ringsum in dem Saal ragten große kupferne Pavillons aus der Wand heraus.

Die seltsame Person deren antiquierter Anblick sich so sehr gegen die metallische Moderne dieses Saales abhob, saß an einem Klavier und schlug gelangweilt eine Taste an. Sie blieb eingedrückt. Während aus einem der Pavillons ein seltsam anhaltendes Geräusch drang, dessen Sinn ich zuerst nicht begriff. Der Unbekannte hörte sich dieses Rumoren einen Augenblick lang aufmerksam an. Plötzlich stand er auf und streckte mit zugleich weibischer und theatralischer Geste die rechte Hand aus und legte die linke aufs Herz. Während sich aus den klingenden Räumen der Hofstaat näherte, rief er aus: Oh du Eremitenreich. Oh du Land des ruhigen Morgens. Kaum ist es Tag geworden in deinem Reiche, schon steigen aus deinen Klöstern die Gebete empor. Ihr Murmeln überträgt mir dieses hochempfindliche Gerät.

Ich höre das Rascheln der Ölpapierjacken des einfachen Volkes. Ein Almosengewitter regnet auf die dichtgedrängten armen Leute herab. Auch dich vernehme ich Bronzeglocke von Seoul. In deiner Stimme schwingt die Klage eines Kindes mit. Auch ein Gefolge höre ich nahen. Es folgt seinem schönen Herrn Jang ban den Prächtigen in seinem Sattel. Wenn ich eines Tages noch den fahlen Purpur trage, der nur mir dem Mondkönig, gebührt, dann werde ich deinen Hofstaat besuchen. Werde mich deines Klimas erfreuen, das so köstlich sein soll. Und während die Worte dessen den ich sogleich als König Ludwig II von Bayern erkannte, laut wurden, sah ich ein daß die landläufige Meinung der Bayern die da glauben, ihr unglücklicher geistesverwirrter König sei gar nicht in den dunklen Wassern des Starhemberger Sees gestorben, richtig ist. Doch die fernen Geräusche aus dem Traumreich der Eremitagen erregten mich zu sehr als daß ich mich dem Zauber hätte ergeben können, der vom Reich der weißen Kleider auf mich zukam. Aufmerksam lauschte ich dem Murmeln der Dämmerung und es schien mir als höre ich den Lärm der Wäscherinnen, die unaufhörlich die Wäsche und die jungfräulichen Kleider schlugen. Unabläßig hörte ich die Stockschläge, die das Bügeleisen ersetzten, als sei es die weiße Dämmerung selbst die gewaschen und gebügelt wurde.

Schließlich schlug der Erhabene nur vermeintlich Ertrunkene aus dem Starhemberger See eine andere Taste nieder und den Sätzen die der König vor sich hin murmelte, entnahm ich daß die Geräusche die da zu uns gelangten, die glückhafte Stimmung Japans zur Zeit der Morgenröte hervorriefen. Die tadellosen Mikrofone die dem König zur Verfügung standen, waren so fein eingestellt, daß sie die entferntesten Geräusche des irdischen Lebens in diese unterirdische Gewölbe übertragen konnten. Jeder Tastendruck setzte ein Mikrofon in Tätigkeit, das auf diese oder jene Entfernung eingestellt war. Jetzt war es der Lärm einer japanischen Landschaft, der Wind weht in den Bäumen. Es mußte in einem Dorf sein, denn ich hörte das Lachen der Mägde, den Hobel eines Tischlers und den eisigen Strahl der Wasserfälle. Ein Druck auf eine andere Taste und wir wurden in den hellen Mittag versetzt. Der König begrüßte die sozialistische Arbeit Neuseelands. Ich vernahm das Zischen der Geysiere. Elefantentrompeten. 1 Uhr in der frühe. Es ist Indien. Dann Tibet. Man hört die priesterlichen Glocken läuten. 3 Uhr. Das Knirschen von abertausend Barken die in Saigon an den Ufern des Flusses sanft gegeneinander stoßen. Dum dum bum, dum dum bum, dum dum bum - das ist Peking, die Gongs und die Trommeln der Patrouille, die unzähligen Hunde die kläffen und bellen, vermischen ihre Stimmen mit dem schauerlichen Lärm der Wachen.

Ein Hahnenschrei bricht auf, kündigt die Morgendämmerung an, die aschfahl schon das weiße Korea verläßt. Des Königs Finger eilten wie zufällig über die Tasten und ließen alle die ortsgebundenen Geräusche dieser Welt aus der wir kamen gleichzeitig hervorbrechen, ließen sie vor seinen Ohren Revue passieren." Dieser Mondkönig der in seinem Berg sitzt und ein Instrument spielt, das Klänge aus aller Welt vereinigt. Er könnt für die Auffassung stehen die der Amerikaner Alvin Curran seinen Simultanradiokonzerten zugrunde legt. An dem Konzert "Crystal Psalms" nahm 1988 - dem Jahr in dem sich die von den Nazis sogenannte Reichskristallnacht zum 50. Mal jährte - auch der ORF teil. Es handelte sich um ein Konzert für 6 Chöre, 6 Instrumentalensembles, Schlagzeug, Arkordeon und Tonband. Die Chöre und Ensembles die an dem Live-Konzert mitwirkten, befanden sich an weit auseinander liegenden Orten: in Berlin, Kopenhagen, Frankfurt am Main, Paris, Wien und Rom. In einem Studio der italienischen Rundfunkanstalt RAI in Rom saß Alvin Curran und mischte die aus verschiedenen Städten gleichzeitig eintreffenden Klänge zu einer Live-Komposition, die wiederum gleichzeitig von den beteiligten Rundfunkanstalten ausgestrahlt wurde. Sie hörten einen Ausschnitt aus Crystal Psalms das zum Gedenken an die Geschehnisse im Jahre 1938 im Oktober 1988 live von 7 eurogäischen Rundfunkanstalten ausgestrahlt worden ist darunter auch vom ORF.

Alvin Curran gab also eine genaue Partitur vor, an die sich die Akteure, Sänger, Chöre usw. an den verschiedenen Schauplätzen seines Konzertes zu halten hatten, um dem Komponisten, dem König in seiner Höhle, in einem Studio der RAI in Rom die erwünschte Live-Mischung aus allem was über Leitung bei ihm eintraf zur sofortigen Ausstrahlung durch die beteiligten Stationen zu ermöglichen. 1989 bei der Ars Electronica in Linz rekonstruierte der amerikanische Künstler Bill Fontana seine allererste Radioarbeit, die er 1977 in Australien realisiert hatte. Die Hörer und Hörerinnen wurden schon den ganzen Tag vor dem Live-Event gebeten, Geräusche auf Kassette oder über Telefon in das Landesstudio Linz zu übermitteln. Fontana nahm diese Geäusche sofort auf und drapierte sie auf Schleifen die oft zwischen mehreren Maschinen im Studio gespannt waren und vermischte alles zu einer Live-Komposition. Er war immer noch der König in der Höhle des Studios aber er wählte sein Material nicht nach seinen Vorstellungen, sondern gab denjenigen die schließlich seinem Spiel auf dem Klavierähnlichem Instrument zuhörten, die Möglichkeit den Klangcharakter seiner Mischung, selbst mit zu bestimmen. Übrigens konnten auch noch während der Sendung, Klänge ins Funkhaus telefoniert werden.

Das Moment der Gleichzeitigkeit war bei diesem Konzertmodell denn auch auf die Hörer und Hörerinnen beschränkt, die während der Live-Sendung eingriffen und ihre eigenen Höhlen zum Ausgangspunkt von Material machten. Andere Fontana Projekte wie z.B. "Landscape Soundings - Klanglandschaften" 1991 in Wien stellen eher eine Überwachungssituation dar, in der der Künstler die Natur belauscht und ihr mit Hilfe einer komplexen Mikrofoninstallation Material abringt. Nach dem Kriterium weittragende Töne, was auch schon eine Art von Anweisung aus der Höhle des Königs ist. Diese Höhle mit dem Gerät für Empfang und Mischung der über 16 Leitungen aus den Donau-Auen bei Hainburg einlangendne Töne, befand sich bei Landscape Soundings nicht im Funkhaus sondern ausgelagert im Kunsthistorischen Museum in Wien. Dort entstanden nicht nur die live stereoMischungen für die im Laufe der 2 Wochen immer häufiger werdenden Live-Radiosendungen, sondern die Verteilung der Live-Signale auf die 70 Lautsprecher an den Fassaden des Kunst- und des Naturhistorischen Museums in Wien. Die Live-Klangskulptur auf dem Maria Theresien Platz zwischen den beiden Museen hatte den Effekt, das die Passanten sich plötzlich gleichzeitig an 2 Orten fühlten. - übrigens auch die Tiere. Und z.b. bei einem Gewitter in der Au selbst bei in Wien noch blauem Himmel in den Museen Zuflucht suchten. Die Radiohörer wo immer sie waren, konnten noch eine 3. Version der Skulptur erleben, indem sie die Klänge aus dem Radio mit ihrer eigenen Klangumgebung verschmelzen ließen. Falls sie die Klänge aus der Au überhaupt der Kunst zuordneten. Ein Gewitter aus der Au im Ö3 Magazin fand sicher eine andere Rezeption als das nächtens im Kunstradio. Vom Band als Aufzeichnung gespielt haben die Landscape Soundings wie viele Beispiele die wir ihnen heute vorspielen nur dokumentarischen Charakter. Fontana hat aber als bleibendes Souvenier auch eine CD-Komposition gestaltet, die einen Märztag in der Stopfenreuther Au nachvollzieht.




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1993 CALENDAR 2