KUNSTRADIO


"Als schritte ein Apostel vorüber"

("Wir tun Gerechtigkeit nur Gerechtigkeit üben")


Eine Hörspiel-Montage über den Fall Karl Sch.
Idee und Produktion: "All Quiet on the Western Front"
(Bernhard Loibner, Karl Meier und Johanna Maurer).


Vor rund zehn Jahren erschütterte der "Fall Karl Sch." die Alpenrepublik: "Wie ein Mann" stand das Volk der Fernseher und Boulevardblattleser auf, um einen von ihnen gegen die "bösen Mächte" im Ausland zu verteidigen - mehr noch - ihn als Helden und Märtyrer bei seiner Rückkehr zu feiern und zu bejubeln. "All quiet on the western front" hat für ihr erstes Hörspiel die unglückselige Sapporo-Geschichte aufgegriffen. Bernhard Loibner erinnert sich: "Egal, wo man war, es gab überall Riesendiskussionen und viel Aufregung. Es war ein echtes Medienereignis". Ihm und seinen beiden Ko-Produzenten geht es daher auch keinesfalls darum, den Fall Karl Schranz Revue passieren zu lassen: "Die events von damals, der Ausschluß von Schranz auf Order des damaligen Olympia-Mächtigen Avery Brundage interessiert uns eigentlich gar nicht. Wir nehmen den Fall nur zum Anlaß, um zu zeigen, wie sehr die Medien die Geschichte aufgeschaukelt und zum Massenspektakel gemacht haben".

Demzufolge haben sie zum damaligen Thema Nummner 1, das andere, wichtigere weltpolitische Themen vom Bildschirm, aus den Kanälen und Schlagzeilen verdrängte, eine Fülle von Material vorgefunden, aus dem sie ihre O-Töne filtern.

Der "Mir san mir"-Effekt findet sich nicht nur in den zahlreichen Medienaufzeichnungen vom triumphalen Schranz-Empfang am Ballhausplatz, sondern auch in den Interviews mit Politikern, mit großen und kleineren "Tieren" und in den Pressereaktionen. Für ihre Montage verwenden die Künstler von "All quiet on the western front" auch Töne jener Schallplatten, die damals eigens aus Anlaß dieses Spektakels produziert wurden: "Der Karli muß leben". Loibner, Meier und Maurer haben das ausgesiebte Material gesampelt und mittels verschiedener Techniken bearbeitet und verfremdet. Es gelingt ihnen dadurch in noch viel einprägsamerer Form als es eine Reportage zuwege bringen würde, dem Hörer ein Bild von dieser Stirnmung zu vermitteln, vom Beitrag der Päassenmedien,bäim Publikum ein falsches Identitatsgefühl und National-Bewußtsein entstehen zu lassen.

"All quiet un the western front" gibt es seit 1987. Die Gruppe ist bisher vor ällem in Kärnten mit CD-Produktionen, Konzerten und Ausstellungen in Erscheinung getreten. Instrumentalbesetzung: Saxophon, Gitarre, Baß, Elektronik.


1992 CALENDAR 1