KUNSTRADIO


KUNSTRADIO AUSTRALIEN-SCHWERPUNKT 1989
Soundart und Radiokunst in Australien

Radiokunst in Australien
von Andrew McLennan

Andrew McLennan, Mitarbeiter der Sendung "The Listening Room" bei der ABC Sidney,
gab im ORF-Kunstradio einen kleinen Überblick zum Thema

"Sound-Art und Radiokunst in Australien".

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Dauer: 42'50"

A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE "ORF TONBANDDIENST"
Wechselnde Kooperationen und Interaktionen zwischen Künstlern aus verschiedenen Orten und verschiedenen Sparten sind genauso charakteristisch für die australische Kunstszene - die in Linz vorgestellt wurde - wie die Offenheit der einzelnen Künstler für die verschiedenen Medien- und Präsentationsformen, oder etwa auch für die Durchlässigkeit der verschiedenen Disziplinen. Die Disziplinen werden ja in dem Augenblick duchlässig, wo sie sich der Technologie, dem Computer, in der Kunstpraxis öffnen. Und dieser modernen Mitteln bedienen sich auch die australischen Künstler, wenn auch mit vielen Vorbehalten. Musik stellt für sie ein offenes System dar, in dem Geräusche und Töne aller Art und aus allen möglichen Quellen Aufnahme finden und gleichberechtigt nebeneinander stehen und miteinander zusammenspielen. Dazu geöhren Klänge aus musikalischen Quellen im engeren Sinn genauso, wie Klänge aus außermusikalischen Quellen - vorgefundenes Material ebenso wie nachher manipuliertes, bearbeitetes. Literatur heißt für die australischen Künstler, Auseinandersetzung mit verschiedensten Sprachen: von der Sprache des Nachrichtensprechers bis zum Alltags-Smale-Talk und zum Slang. Das Auseinanderdividieren von Klang und Bedeutung interessiert sie ebenso, wie die populären Formen des Erzählens oder die Fragmentierung oder Vernetzung von Sprachpartikeln in der neuen Technologie. Die menschliche Stimme in all ihren Facetten aber auch der entpersönlichte Computer-Druck stellen Aspekte der Sprache dar, und regen zur Auseinandersetzung an.
Amanda Stewarts Hauptthema war das Verhältnis von Sprache und Macht: Die Frage, wie operiert Macht in der Sprache und durch die Sprache. In den Gedichten für ihre vielen Einzelperformances spielte sie oft mit dem Verhältnis zwischen Musikalität der Sprache und der der Macht. Etwa anhand der Frage: Wie verhält man sich zu unterschiedlichen Sprachintonationen, mit denen man konfrontiert wird. In den Gemeinschaftsperformances Amanda Stewarts mit Rick Rue, Warren Burt oder anderen ging es meist um abstraktere Auseinandersetzungen mit der Stimme und ihren Möglichkeiten.Amanda Stewart, Rick Rue und Warren Burttraten in Linz zum ersten Mal in dieser 3er Kombination auf. Dementsprechend offen war auch das Ergebnis ihrer Live-Performance mit Computer, Stimme und Kasettenrekordern.
Alan Lamb spielte die Töne seiner "Far away wind organ" - seiner weit entfernten Windharfe. Bei dieser Windharfe handelte es sich eigentlich um eine verlassene Telegrafenleitung mitten in der australischen Landschaft. Für seine "far away wind organ" spannte Lamb Drähte und befestigt kleine Flöten und Gongs an ihnen und er paßte sein Spiel auf und mit diesen Drähten den Einflüßen von Wind und Sonne an. Alles verschmolz zu einem lebenden System: der Künstler, die Windharfe, die Elemente und die Landschaft.


"Linz-Sidney" war der Titel der Installation von Rick Rue und Jim Denly im Foyee des Brucknerhauses. Rick Rue und Jim Denly, hatten in Sidney Klänge gesammelt, die sie dann in ihrer Installation mit Alltagsaufnahmen aus Linz vermischten: links vom Eingang war Linz und rechts vom Eingang Sidney zu hören.
Bei "Kakadu" von Les Gilbert waren Vogelstimmen aus dem Norden Australiens im Linzer Donaupark in einer interaktiven Klaninstallation zu hören. Die Lautsprecher zu dieser 8-kanaligen Installation waren in den Bäumen des Donauparkes versteckt und wurden durch die Vorbeigehenden aktiviert.
"Hundegeschichten" war ein Projekt des Australiers Chris Mann, welches im Rahmen der Ars Electronica in Linz für Radio Oberösterreich produziert wurde. Die Zuhörer waren aufgerufen, Hundergeschichten einzusenden, die dann im Lokalradio ausgestrahlt wurden. Chris Mann war besonders an Linguistik und den Möglichkeiten der oralen Traditionen in kommunikativen Zusammenhängen interessiert:
"Die Geschichten sind alle formal sehr ähnlich und genau das macht sie so zugänglich. Ausgehend davon kann man Ähnlichkeiten ableiten und eine Art von Logik konstruieren. Aber die Unterschiede sind ebenso da, wodurch sie so reizvoll werden. Im Endeffekt sind es die normalen, gewöhnlichen Kriterien, die man bei der Analyse jeglicher Kunst anwendet."

"Hundegeschichten" wurde am 16. 11. 1989 im Rahmen eines Chris Mann-Porträts im ORF-Kunstradio gesendet.


"Simulplay 1" von Ross Bolleter und Jim Denley
Eine Live-Interaktion über die Kontinente aus dem Brucknersaal in Linz und aus Perth in West-Australien. Ross Bolleter an einem präparierten Konzertflügel im Studio in Perth und Jim Denley an der Querflöte und mit seiner Stimme in Linz spielten gemeinsam eine Improvisation. Zusätzlich erhielt diese Improvisation einen eigenen Reiz durch die zeitliche Verschiebung über die Telefonleitung. Es gab in der Übertragung von Australien nach Österreich eine Verzögerung von beinahe 1 Sekunde, weshalb in Linz eigentlich nur eine Version zu hören war, während Ross Bolleter in Perth eine andere Version hörte.

"Simulplay 1" war eine Koproduktion von der Australian Broadcasting Cooperation ABC und dem ORF und gleichzeitig der Sendereihe ORF-Kunstradio und der australischen Sendereihe Listening Room, die Andrew MacLennan betreute. Andrew MacLennan hat auch 1977 das Bill Fontana Stück, das in Linz wieder realisiert wurde, produziert.Im Hinblick auf die Medienlandschaft in Australien sagte Andrew MacLennan:
"In den letzten Jahren hat sich die Radiolandschaft in Australien gewaltig verändert. Die ersten Änderungen sind seit 1972 aufgetreten. Wenn man davon ausgeht, daß das Radio 1932 in Australien eingeführt wurde, so hat sich von 1932-1972 so gut wie nichts getan, die Medienlandschaft war stabil. Ab dem Jahr 1972 verbunden mit einem Regierungswechsel, ergab sich ein starkes Ansteigen des Interesses am Radiosektor - so hat es z.B. über 2000 Anträge auf Genehmigung von Sendestationen gegeben. Und die neue Regierung hat besonders einen Bereich forciert, den Bereich des sogenannten öffentlichen Radios: dabei handelt es sich um Radiostationen die von Gemeinden, Gemeindevebänden, öffentlichen Einrichtungen usw. getragen werden. Und gerade auf diesem Gebiet entsteht experimentell seither ununterbrochen etwas Neues."
Über die Entwicklung in Australien und die Verönderung der Radiolandschaft meinte Andrew MacLennan weiters:
"Geht man davon aus, daß das englische Radio eine Art Mutterrolle gespielt hat, könnte man durchaus von einem Entkolonisierungsprozeß sprechen. Aber man muß sich vor Augen halten, daß in der gesamten Entwicklung des Radios natürlich ein sehr starker amerikanischer Einfluß vorhanden ist. Es gab und gibt eine Viehlzahl kommerzieller amerikanisch orientierter Sender. Die Einführung eines landesweiten Radios 1976 war auch der Versuch durch das Radio eine nationale Identität zu entwickeln und einen gewissen Qualitätsstandard einzuführen."

KUNSTRADIO AUSTRALIEN-SCHWERPUNKT 1989
Soundart und Radiokunst in Australien
  •   Die Radiokunstnacht bei der ARS electronica (14. September)
  • "Radiokunst in Australien" (21. September)
  • "Sydney-Linz" (28. September)
  • "Kakadu" (5. Oktober)
  • "From Austria to Australia" (12.Oktober)
  •   Gemeinschaftsarbeiten australischer Künstler (2.November)
  • "Hundegeschichten" (16.November)
  • "Bell Transfer" (30.November)
  • "The Opera Crossed Purposes" & "Call of the Wild"(7.Dezember)
  • "Twins, Sept.1989" / "Currawongs" / "Solistice Quarry Piece" (21. Dezember).

  • "Soundart in Australia" by Nicholas Zurbrugg

    1989 CALENDAR 2