Der Futurist Luigi Russolo war einer der ersten, die das Geräusch in die Musik miteinbezogen haben. Wie etwa in dem Stück für Intonarumori "Das Erwachen einer Stadt", dessen Partitur aus dem Jahre 1914 in der Zeitschrift "Lacerba" teilweise erhalten blieb. Die Veröffentlichung seines Manifestes "L'arte dei rumori" - Die Kunst der Geräusche - 1913 in Paris - und ein Aufenthalt Russolo's in Paris übten einen nachhaltigen Einluß aus. Russolo's Ansatz, seine Auseinandesetzung mit dem, was wir heute akustische Umwelt nennen, ist auch in der Radiokunst bis heute wirksam geblieben, auch wenn Russolo selbst die Klänge und Geräusche der Umwelt, eigentlich nur nachgeahmt hat.
Fillipo Thommaso Marinetti - der eigentliche Ideologe des italienischen Futurismus - verwandelte die um die Jahrhundertwende durchaus übliche Form des Manifestes zu einem Instrument glühender theoretisch-poltitischer Auseinandersetzungen und Proklamationen neuer Vorstellungen und Forderungen an und über Kunst und Gesellschaft.
Die futuristische Radiokunst sollte die Charakteristika des Mediums selbst einsetzen: Interferrenzen und Überlagerungen, Statik und die Geometrie des Schweigens. Und sie sollte eine wichtige Rolle in der futuristischen Umwälzung aller Werte spielen. Russolo's Kunst der Geräusche und des Lärms wurde von Marinetti ausgeweitet zu einer psychischen und geistigen Welt der Stimmen und des Schweigens. Die Radiowellen sollten das Vehikel für Marinettis "Worte in Freiheit" sein. Tatsächlich realisierte Marinetti 1933 im Funkhaus Mailand eine erste Radiosendung phonetischer Poesie. Für die Radiokunst von viel größerer Bedeutung war allerdings das radiophonische Theater, das Marinetti ebenfalls 1933 entwickelt hat, aber nicht zuletzt aus technischen Gründen damals noch nicht realisieren konnte. Inzwischen gibt es eine Rekonstruktion von "Cinque sintesi radiophonico" von Marinetti auf Schallplatte. Dieses Stück kann als Vorläufer einer Vielzahl von Collagen aus Umweltklängen betrachtet werden.
Die Partitur: 10 Sekunden Wasserspülen - 1 Sekunde Geknister - 8 Sekunden Spülen - 1 Sekunde Geknistere - 5 Sekunden Wasser - 1 Sekunde Geknistere - 19 Sekunden Wasser - 1 Sekunde Geknistere - 35 Sekunden Wasser - 6 Sekunden Amselschlagen.
Die Partitur: 11 Sekunden eines Militärmarsches aus Rom - 11 Sekunden eines Tangos, getanzt in Santos - 11 Sekundern einer religiösen japanischen Musik aus Tokio - 11 Sekunden eines lebhaften ländlichen Festes in der Nähe von Varese - 11 Sekunden eines Boxkampfes in New York - 11 Sekunden Straßenlärm aus Mailand - 11 Sekunden einer napoletanischen Romanze, gesungen im Hotel Copa Capana in Rio de Janairo.
Die Partitur:15 Sekunden reine Stille - Doremi von einer Flöte gespielt - 8 Sekunden reines Schweigen - Doremi von einer Flöte gespielt - 29 Sekunden reines Schweigen - Soul von einem Klavier gespielt - Do von einer Trompete gespielt - 40 Sekunden reines Schweigen - Do von einer Trompete - WäWäWä von einem Baby - 11 Sekunden reines Schweigen - 1 Minute brrr von einem Motor - 11 Sekunden reinen Schweigens - erstauntes Oh von einem 11jährigen Mädchen.
a) Aufbau einer linken Wand mit einem Trommelwirbel; eine halbe Minute.
b) Aufbau einer rechten Wand mit Hilfe von Autohupen, Autokreischen, Straßenbahnlärm aus der Hauptstadt; eine halbe Minute.
c) Einziehen eines Fußbodens mit dem Gräusch von Wasser in Schläuchen; eine halbe Minute.
d) Konstruktion der Terrassendecke mit dem "zipzipzip" von Schwalben und anderen Vögel.
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http://www.colophon.com/gallery/futurism/
http://easyweb.easynet.co.uk/~flux/futurism.htm
http://arts.ucsb.edu/HAC/his.comp/1900-1929/russolo.html
