Peter Weibel: "Repro-Sound. Geschichte, Begriff, Utopie".
In seinem Vortrag sagte Peter Weibel u.a.: "Repro-Sound heißt ja nicht einfach nur Magnet-Sound alleine - also meint nicht nur die Reproduktion von Tönen und Geräuschen -, sondern Repro-Sound verbindet sich mit der elektronischen Erzeugung und Modulation von Ton. Erst dadurch wird der Repro-Sound, der für mich der charakteristische Sound ist seit 1945 - zu einem unendlichen akustischen Alphabet. Indem er nicht nur alle Geräusche der Welt sampelt, sondern durch die Modifikation dieser Geräusche auch die Brücke schlägt zu jenen Tönen die es bisher auf der Welt noch nicht gegeben hat. Repro-Sound, technisch produzierter und reproduzierter Sound, ist vor allem eine Absage an die traditionellen Musikinstrumente und ihre gravitationelle Verhaftung an Raum und Zeit. Traditionelle Musik mit handwerklichen Instrumenten aus der vorindustriellen Phase der Gesellschaft ist es was normalerweise unsere Konzertsäle und Musikleben beherrscht und diese traditionelle Musik ist für mich nur mehr bürgerlicher Überbau und Unterdrückungsmechanismus. Natürlich nicht die Musik als solche, sondern ihre soziale Rolle, welche diese Musik heute im kulturellen Überbau der Gegenwart spielt."
Und Weibel weiter: "Der kulturelle Überbau hat sich ja bis in die heutige Musikphilosophie hinein gescheut, die Konsequenzen der technischen Revolution und der synthetischen Erzeugung von Ton auf die Musik oder auf die Sprache theoretisch zu Ende zu denken. Daher entsteht das merkwürdige Paradox, daß nicht so sehr - wie gerne geglaubt wird - immer in den avansierten Produktionsstätten der Kulturinstitute fortschrittliche Musik gemacht wird, sondern gerade dort in der populären Musik, die von allen Kulturphilosophen verachtet wird, grundlegende revolutioniäre Erneuerungen im musikalischen Bereich stattfinden."